Die Gebirgskoenige und Distanzcracks aus dem Kaukasus!
von Eva-Maria Brandstädter
Damit Ihr auch wisst, mit wem Ihr es in dieser Kolumne zu tun habt, möchte ich mich kurz vorstellen: Ich heiße Eva-Maria Brandstädter und habe nach dem Studium (zuerst Kunstgeschichte und Philosophie, dann Dipl. mit Grafik-Design und Fotografie) für verschiedene Agenturen und Verlage gearbeitet. Als begeisterte Freizeitreiterin habe ich nach meiner ersten Kaukasusreise im Jahr 1994 dort eine kleine Reittour aufgebaut, einiges über Land und Leute geschrieben und natürlich viel fotografiert. In dieser Kolumne soll es in erster Linie um Pferde gehen, aber auch um die einzigartigen Landschaften, die hochinteressante Kultur und nicht zuletzt um die stolzen Bewohner des Kaukasus.
Um keine Verwirrung zu stiften, möchte ich gleich zu Beginn dieser Serie auf
einen Sachverhalt hinweisen, mit dem einerseits vielleicht nur ein kleiner Unterschied, andererseits aber großes Leid und viel
Ehrgefühl verbunden ist.
Als nämlich 1924 die systematische Zucht der Kabardiner begann, wurde nach eingehenden Untersuchungen zwischen kabardinischen und karatschaischen
Pferden unterschieden, entsprechend der Völker Kabardiner und Karatschaier.
Als die Karatschaier 1943 wie viele andere Kaukasusvölker wegen angeblicher Kollaboration mit den Deutschen
von Stalin in die kasachische Steppe verbannt wurden, fanden auch ihre Pferde keinerlei Erwähnung mehr in
der sowjetischen Fachliteratur. Erst 1980 erhielten sie neben der englisch-kabardinischen Rassengruppe wieder ihr eigenes Stutbuch. Der
Unterschied zwischen den beiden Rassen ist allerdings schwer auszumachen und ich will gern später noch einmal genauer darauf eingehen. Jedenfalls
- da ich mich im Kaukasus meistens in der Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien
aufhalte und mir dort ungern Feinde machen möchte - werde ich hier vornehmlich von Karatschaiern sprechen und heute mit einem wahrhaft
heldenhaften Hengst beginnen:
| Meine erste Begegnung mit diesem Pferd fand vor vielen Jahren statt. Wie so manchem anderen Reiter auch, wurde mir zum Geburtstag ein Pferdebuch geschenkt. Es hieß "Geliebte Pferde“ ein Handbuch über die Pferde dieser Welt und bot eine Übersicht über die wichtigsten Pferderassen. Vor meiner ersten Reise in den Kaukasus holte ich es hervor um nachzusehen, was mich dort an Pferden erwarten würde. Unter der Bezeichnung "Kabardiner" fand ich nebenstehende Abbildung von einem kräftigen, dunklen Hengst. |
![]() |
|
![]() |
Als ich dann im Kaukasus den großen Vorraum im Stall des Gestütes Malo-Karatschai betrat, war die Überraschung groß. Da war er wieder, diesmal in Farbe auf einem riesigen Gemälde, im Hintergrund der Elbrus (hier erscheint er leider etwas verzerrt, da von unten fotografiert). Man sagte mir, das sei ein sehr gutes Pferd gewesen und mehr erfuhr ich zunächst nicht. | |
| Einige Jahre später führte uns ein Ritt über eine Hochfläche an diesen malerischen Abgrund in mehr als 2000 m Höhe. Es wehte ein kalter Wind und um den Felsenturm flogen einige Dohlen. Hier hörte ich endlich die ganze Geschichte. Im Kaukasus gibt es keine eingezäunten Koppeln wie bei uns und die Pferdeherden bleiben mit ihrem Leithengst tagelang allein in den Bergen. |
![]() |
|
| Jedenfalls zu Sowjetzeiten war es so, als es noch keine Pferdediebe
gab. So weidete auch der Hengst Admiral mit seiner Stutenherde tief in den
Bergen in unmittelbarer Nähe des steilen Abhangs. Dort muß sie ein Rudel Wölfe
bedroht haben und es kam zu einem dramatischen Kampf. Als ein Hirte nach der
Herde sehen wollte, fand er die Herde zwar vollzählig, aber ohne ihren Hengst. Am
Rande des Abgrunds lag ein toter Wolf und tief unten im Geröll Admiral.
Ich war stolz, gerade einen Nachfahren dieses Helden zu reiten. Auch der war wie die meisten seiner Art sehr mutig und erst, als ein kläffender
Hirtenhund tatsächlich nach seinem Schweif schnappte, ging er lediglich etwas
schneller. |
||