Zwei Tage, gut 1000km und viele Kabardiner oder einmal Schweiz und zurück in Sachen Kabardiner

Nach langer, langer Zeit haben wir endlich mal wieder einen kleinen Kabardinerbesuchstrip unternommen. Wir hatten einfach immer zu wenig Zeit und auch diesmal war nur der Anlass wichtig genug, um uns loseisen zu können, und wir hatten eine Vertretung im Stall (Danke noch mal an Sandra und Laura, sowie an Lukas – ohne Euch wären wir da nicht so einfach weg gekommen!).

Also warum war es denn wichtig genug? Ganz einfach: es ging um eine Hengstkörung in der Schweiz von zwei Kabardinerhengsten. Nach einigen Vorklärungen wurde vom dortigen Züchter Andi Stiffler eine Hofkörung beim Zuchtverband beantragt, da er mehrere Pferde zu begutachten hatte und allein schon der Transport eines Pferdes für eine Körung nach München wegen der Grenze Schweiz/EU nicht einfach ist. Also wurde eine Kommission gebildet aus den folgenden Personen: Helmut Stöcklein (2.Vorsitzender des Bayerischen Zuchtverbandes für Kleinpferde- und Spezialpferderassen), Wolfgang Kühlechner (langjähriger Zuchtberater des Verbandes und jetzt im Ruhestand – aber immer wieder gerne für solche Themen aktiv), Wolfgang Kühn (langjähriger Zuchtleiter des Verbandes und jetzt ebenfalls im Ruhestand – aber ebenfalls immer wieder gerne für solche Themen aktiv), sowie Karin und ich (Tobias) als 4. und 5. Richter der Kommission wie auch als Rasseexperten gleichermaßen. 

Und wenn so eine Kommission schon unterwegs ist, findet sich auch schnell noch ein weiterer Grund, so dass gleich noch eine weitere Hofkörung in Baden-Württemberg an die Reise angeschlossen wurde.

Und wenn wir dann schon unterwegs sind geben wir uns mit einem engen Terminplan natürlich nicht zufrieden, 36 Stunden müssen dann noch für mindestens 3 weitere Besuche unterwegs herhalten, und so beschlossen wir noch auf dem Weg ein paar Besuche zu machen bei Sandy, Lea und Gela und den dortigen Pferden. Natürlich blieb nirgends viel Zeit, aber wir konnten so doch einige Pferde inspizieren, die wir schon lange sehen oder unbedingt mal wieder sehen wollten.

Die Karte zeigt die Stationen: A=Gruselsberg, B=Sandy, C=Körung BW, D=Lea, E=Lusiranch, F=Gela.

Aber nun vor vorne. Morgens um 8:30 waren wir endlich unterwegs. Stall gemacht, Anweisungen hinterlassen und „nur“ 260km bis zur ersten Station vor uns. Und die Strecke ließ uns auch nicht im Stich, und wir kamen pünktlich kurz nach 11:00 Uhr bei Sandy an. Natürlich machten wir uns gleich auf, Echo und Enduro zu besuchen, die uns erst vor gut einem Jahr verlassen hatten. Echo ist ein Sohn von Edil und Temsa, der uns immer sehr gut gefallen hat, und wir wollten sehen, wie er sich weiter entwickelt. Enduro ist ein Sohn von Edil und der Vollblutstute Aostella und war von Familie Leuze an Sandy verkauft worden.

Sandys Stall gefiel uns sehr gut, und natürlich unterzogen wir dann die beiden einer intensiven Begutachtung. Echo hat sich in der Zeit sehr gut gemacht und könnte auch als 3-jähriger durchgehen, mit viel Ausdruck und einem exzellenten Gangwerk ist es eine reine Freude, ihm zuzusehen. Auch Enduro ist sehr schick geworden – stand er doch immer ein wenig im Schatten von Echo, so ist das heute nicht mehr nötig. Enduro ist ebenso schick, natürlich deutlich im Anglo-Kabardinertyp stehend, verfügt auch über viel Ausstrahlung und auch über ein erfreulich gutes Gangwerk. Aber seht selbst auf den folgenden Fotos – die auch die zu Recht stolze Besitzerin zeigen.

Und wenn wir schon da sind, wollten wir auch noch Shaman sehen, ein Anglo-Kabardiner, den Sandy bereits seit Jahren besitzt. Der steht ein paar km weiter und wir sind noch flugs hingedüst. Auch ein wirklich schicker Kerl mit viel Ausstrahlung aber auch einem ziemlich großen Selbstbewusstsein, der eine strenge Führung benötigt.

Als besondere Überraschung haben wir hier auch noch Hilde (die Besitzerin von Tjema) getroffen, die gehört hatte, dass wir kommen und nicht weit entfernt wohnt.

Nach einigen hübschen Fotos und nettem Plausch mussten wir aber bald weiter. Als nächstes standen 2 Hengstkörungen und eine Fohlenbewertung an – allerdings nicht von Kabardinern, deshalb hierzu nicht mehr. 

Dann ging es auf in die Schweiz. Wir hatten die Wahl, ob wir für die 50km Autobahn, die wir in der Schweiz fahren wollten, die Jahresvignette für aktuell 28,50€ kaufen, oder fast 2 Stunden länger über Landstrassen gondeln wollten. Wir entschieden uns für die Vignette und obendrauf noch die Transfervignette für 10km Österreich von 2€ (pro Strecke).

Die Schweizer sind echt findig – man fühlt sich, als ob man Eintritt bezahlt, um überhaupt in die Schweiz zu kommen.

Als ersten Halt in der Schweiz besuchten wir Lea und ihre junge Kabardinerstute Alisha. Sie hatte diese vor einiger Zeit bei Andi und Mirjam Stiffler gekauft und ist nun „frischgebackener“ Kabardinerbesitzer. Da Alisha noch jung ist, arbeitet Lea momentan noch am Boden mit ihr, sie gehen spazieren und fassen mehr und mehr Vertrauen zueinander. Ich denke der Weg, den Lea da mit Alisha geht, ist sehr gut gewählt. Die junge Stute hat uns sehr gut gefallen – wie Ihr sicherlich auch auf den Fotos feststellen könnt.

 

Auch Gela haben wir hier kurz getroffen, da sie uns mit Kolya und Elijah als Handpferd bei Lea besucht hat. Sie orakelte schon, dass sie uns beim nächsten Treffen „noch was erzählen will“ – dazu später mehr ;-).

Nun aber weg von der Autobahn und hoch in die Berge. Nach langer Hinauffahrt erreichen wir schließlich Davos und treffen bei Andi und Mirjam ein – dem Hauptbesuchsziel unserer Reise. Andi hatte auch gleich Zeit, für uns mal einen Rundgang durch die Pferdeherde zu machen – die mittlerweile ganz schön groß ist. Abends füttert er die Pferde unterschiedlich und holt einen guten Teil der Herde in den geräumigen Laufstall, um die älteren Pferde, die tragenden oder laktierenden Stuten und ein paar andere extra zu versorgen. Man merkt, dass sich Andi wahrlich viel Mühe gibt – aber die schiere Menge der Pferde macht ihm doch zu schaffen und er verrät uns, dass er ein wenig abbauen will und muss, weil er einfach nicht mehr um die Runden kommt. Eigentlich wäre ihm wichtig, dass „jedes Pferd den Eindruck hat, es wäre ein besonderes Pferd für ihn“, und das ist ihm einfach nicht mehr möglich. Wir unterstützen ihn darin, denn Andi machte auf uns einen überarbeiteten Eindruck – wir können da wahrlich mitfühlen.

Wir sehen eine ganze Menge Pferde, davon auch etliche Kabardiner und ein paar Polukrovnis – vor allem aber sehen wir schon mal seine Hengste und Stuten und freuen uns schon auf die Eintragung am nächsten Tag.

Anschließend beziehen wir unser Domizil gleich nebenan in einem Tagungshaus und machen uns dann noch auf die Suche nach unseren Kommissionskollegen, die wir in einem guten Gasthaus finden. Dort nehmen wir dann noch ein gutes Abendessen (vegetarische Lasagne – echt hervorragend) zu uns und machen uns dann auf ins Bett.

Am Morgen geht es dann mit der Eintragung los. Wir beginnen mit Arbitch, dem älteren Hengst und sind in der Kommission einhellig der Meinung dass das ein guter und typischer Hengst ist, der ein positives Körurteil verdient hat. So landet er auch nach der Auswertung aller unserer Noten dann schließlich bei einer 7.8 und ist damit eindeutig gekört und gehört zu den Besten Kabardinerhengsten Europas. Weiter geht es mit Kirosh, einem jungen Hengst, der nicht mit Arbitch verwandt ist. Auch hier bestätigt sich der gute erste Eindruck nach der Notenauswertung. Mit 7.1 ist auch Kirosh eindeutig gekört und gibt somit Andi die einzigartige Möglichkeit, nun über zwei gute gekörte Hengste – und nicht verwandte Hengste – zu verfügen.

 

Kirosh

 

Arbitch

Aber nun weiter zu den Stuten und Fohlen. Auch hier ging es gut weiter. Der ordentlich eingetragenen Stute Margot folgte eine gute junge Stute und dann zwei richtig gute Fohlen, von dem eines gute Chancen auf den „Bestes Kabardinerfohlen“-Titel hat und Messlatte für alle anderen Fohlen 2009 spielen darf. Alle Fohlen werden dann noch gebrannt – wenn auch Andi da wirklich Sorge um seine Fohlen hat (siehe Bilder)!

 

Die Stuten und Fohlen der Eintragung.

Andi leidet mit beim Brennen

Insgesamt kann man Mirjam und Andi zu diesen guten Ergebnissen nur gratulieren, ihrer Kabardinerzucht alles Gute wünschen und vor allem auch Erfolg auf dem Weg, die Arbeit und den Pferdebestand ein wenig zu reduzieren – das täte sicherlich ihnen und den Pferden gut.

Gerne wären wir hier noch länger geblieben, aber da wir daheim zuviel Arbeit liegen hatten, entschlossen wir uns dann doch schon den Heimweg anzutreten. Auch hatten wir so noch die Möglichkeit, wenigstens noch einen kleinen Abstecher zu Gela und Kurt in ihr Nussloch zu machen und vorher auf der Alp bei Sarija vorbeizuschauen. Diese Alp-Haltung ist schon was, was mich echt begeistert! Gerne hätte ich so was auch bei mir – auch um selbst den Ausblick genießen zu können. Aber seht selbst:

 

Im Nussloch hatten wir dann noch ein Stück leckeren Kuchen (Anmerkung Karin: wer uns kennt, weiß natürlich, dass es nicht bei einem einzigen Stück blieb), knuddelten Elijah, Lolek und auch Kolya(!) etwas und bewunderten die vielen tollen Umbauten, die sich seit unserem letzten Besuch ergeben hatten. Gerade die Paddocks und Ausläufe sind Kurt und Gela super gelungen und man kann sie für den Arbeitseinsatz, den sie da aufgebracht haben, nur bewundern! Ach ja, und das, was uns Gela noch erzählen wollte (wir ahnten es ja schon): es gibt Nachwuchs im Nussloch auch 2009 – nicht vierbeinigen, sondern zweibeinigen, und deshalb auch hier noch mal: herzlichen Glückwunsch Gela und Kurt, und auf dass bald noch ein weiterer wilder Kabardinerreiter durchs Nussloch fege!

Tja und dann war’s das auch schon wieder – der Heimweg rief. Nach „nur“ 4 Stunden waren wir dann – noch deutlich vor Mitternacht – zu Hause und froh ob der schönen Reise, der vielen Eindrücke, der durchwegs guten und vielversprechenden Kabardiner, der netten Freunde, die wir mal wieder sehen durften UND dass wir nun doch endlich ein Navi haben, was so eine Reise schon sehr erleichtert!

Abschließend auch vielen Dank an die beiden Wolfgangs und Helmut, die so professionell und freundlich die Termine mit uns durchgeführt haben, und mit denen es immer eine Freude ist zusammenzuarbeiten! Ich hoffe das wird noch oft der Fall sein!

Also bis zur nächsten Reise und zum nächsten Bericht,

Euer Tobias