1-Mann-Pferd, Aggressionen, Probleme ?

In letzter Zeit bin ich oft gefragt worden, inwiefern Kabardiner 1-Mann-Pferde sind und ob das überhaupt gut ist, denn man will schließlich kein Pferd, dass gegen Fremde aggressiv ist und einem selbst Probleme bereit, solange es einen noch nicht als Bezugsperson gewählt hat.

Ich habe mir dazu einige Gedanken gemacht und auch ein wenig Wissen angeeignet, das ich hiermit teilen will.

Kabardiner sind sehr menschenbezogen,

sie suchen sich Bezugspersonen und bauen ein inniges Verhältnis zu diesen auf. Das Vertrauen dass sie hierbei ihren Personen entgegenbringen ist - sobald gefasst - sehr innig und macht diesen den Umgang mit den Pferden sehr leicht. Dabei können dies durchaus mehrere Personen sein, solange alle mit dem Pferd regelmäßig umgehen oder dies einmal getan haben.
Allerdings variiert dies von Pferd zu Pferd. Aus meiner Erfahrung und der anderer Leute kenne ich verschiedene Typen, vom sehr zugänglichen bis hin zum schwer zugänglichen Pferd, wobei die leicht bis normal zugänglichen Pferde deutlich überwiegen, schwer zugängliche eine Ausnahme bilden und oft über eine schlimme Vergangenheit verfügen. 

Bei leicht zugänglichen Pferden ist der Unterschied zu anderen Pferden kaum vorhanden und es ist wenig Engagement notwendig, um das Vertrauen zu gewinnen, bei schwer zugänglichen kann das schon viel Arbeit bedeuten, resultiert aber im Allgemeinen aus Fehlern in der vorhergehenden Zeit (i.Allg. bei anderen Besitzern).

Identisch ist das Vorgehen bei allen Typen. Gute und ehrliche Behandlung ist notwendig um das Verhältnis aufzubauen und das Vertrauen darf dann auch nicht missbraucht werden, wobei Ausrutscher durchaus passieren können.

Bei allen Pferden die ich kenne, ist die Zeit des nicht-Vertrauens NICHT mit Aggression gekennzeichnet, sondern mit Zurückhaltung. So ist mein Hengst Fremden gegenüber sehr zurückhaltend, treibt seine Stuten oder schutzbefohlene Fohlen schon mal von einem Fremden weg, um sie in "Sicherheit" zu bringen, wobei sich das auch, seitdem er länger mit uns Vertrauen hat, reduziert.

Was ist nun Positiv an der 1-Mann-Beziehung?

Meiner Meinung nach alles. Man benötigt zwar etwas Engagement für den Aufbau der Beziehung, bekommt dann aber sehr viel zurück, hat sehr vertrauensvolle Pferde, die mit einem durch dick und dünn gehen und hat einen sicheren Partner. Dieses Engagement sollte bei allen Pferden nötig sein, leider akzeptieren viele Pferderassen auch Reiter ohne dieses Engagement, sei es aus stoischer Gelassenheit, Desinteresse, Temperamentlosigkeit oder weil ihr Willen gebrochen wurde. Schade, denn so vermissen Viele den Genuss, den solche Pferde mit sich bringen, bzw. lernen ihn nie kennen.

Eines ist doch negativ!

Eigentlich nicht negativ, aber es hat sich für manche Leute, vor allem um 1980, als noch viel mehr Reißbrettmethoden im Umgang mit Pferden herrschten, als problematisch und auch gefährlich erwiesen.
Kabardiner die ohne das gewonnene Vertrauen gezwungen werden Dinge zu tun, die sie selbst als problematisch einschätzen, oder die durchweg schlecht behandelt oder gehalten werden, reagieren dementsprechend problematisch und für sich und die beteiligten Personen oft gefährlich.
Glücklicherweise hat hier ein generelles Umdenken statt gefunden, so daß diese Probleme heute kaum noch auftauchen werden - und wenn dann tut es mir Leid um das arme Pferd.

Noch was zum Schluß:

Nicht bedeuten sollte 1-Mann-Pferd, dass nur der Besitzer das Pferd von der Koppel holen kann, das sollte auf alle Fälle auch dem Stallbesitzer und allen anderen die sich mit Pferden auskennen möglich sein. Dieses Problem hat im Allgemeinen andere Ursachen und sollte daher nicht dem Kabardiner angelastet und akzeptiert werden. Jedes Pferd kann generelle Umgangsformen lernen und diese Umsetzen auch und gerade ein Kabardiner.

Ich hoffe ...

ich habe einige Fragen klären können, Zeigen können, daß 1-Mann-Pferde eine tolle Sache sind und würde mich über weitere Fragen, Ergänzungen und Kommentare aber sehr freuen ... (Tobias Knoll)