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Ein Wochenende der Kabardiner

Nach reichlich Zeit, wie man über das „Event“ einen Bericht schreiben kann, ist er hier nun endlich.

 Vowort

 Am 27./28.7.2002 fand in München die „Pferde der Welt“, organisiert vom „Bayrischen Zuchtverband für Kleinpferde- und Spezialpferderassen e.V.“ statt. Die Veranstaltung präsentierte sich auf dem Gelände der Olympiareitanlage in München-Riem und dank der Unterstützung der vielen Mitglieder mit einem überaus buntem Programm, dessen Vielfalt und Pferdezahl sicherlich ihres gleichen weit über Deutschland hinaus sucht.

Geboten wurde alles was der Verband zu bieten hat, d.h. allein im Showprogramm Shires und Shettys, Andalusier und Quarter, Reitponys und Lipizzaner, Pasos und Welsh, Friesen und Tinker, Leutstettener, Morgan, Missouri, Appaloosa, New Forest, Criollos und natürlich auch Kabardiner. Wobei letzteres gar nicht so „natürlich“ ist, waren die Kabardiner doch das letzte mal vor über 15 Jahren mit einem Showprogramm auf einer Veranstaltung vertreten.

 Vorangegangen waren Wochen, nein Monate intensiver Vorbereitung durch engagierte Besitzer und Freunde dieser Pferderasse, sowie ein Kraftakt an Engagement gerade zu diesem Wochenende, der über das Showprogramm hinaus auch einen Stand, ein Kabardinerfreundetreffen, einen folkloristischen Tanzauftritt und einen eigenen Infostand ermöglichte. Alle waren im Nachhinein begeistert, hatten Spaß, haben nette Leute kennen gelernt und ich denke niemand hat die teilweise weite Anreise bereut, im Gegenteil, ich glaube alle gingen mit neu gewonnenem Antrieb, Ideen, Freund- und Bekanntschaften und einem „Gemeinsamkeitsgefühl“ heim, was für die Kabardiner sicherlich noch viel wichtiger war, als der Showauftritt selbst.

 So, soviel der Vorworte, nun mal endlich zum „Eingemachten“, also was war denn nun los?

Freitag – die Ersten treffen ein

Das Wochenende begann mit einem trüben Freitag, das Wetter war leider nicht so schön wie erwartet, aber immerhin regnet es nicht. Im Laufe des Tages wollten sich bei uns am Hof die ersten Gäste einfinden. Die Idee, die Show in München mit einem Kabardinerfreundetreffen zu verbinden war einfach nahe liegend, da Viele einfach von zu weit kommen wollten um nur für einen Tag die Strecke auf sich zu nehmen. Also sollte am Samstag Abend ein Grillfest bei uns stattfinden mit der Möglichkeit zu plaudern und sich kennen zu lernen, Fotos auszutauschen und über Pferde Fach zu simpeln.

So kamen dann auch wirklich im Laufe des Freitag Nachmittag schon die ersten bei uns an und am Abend hatten wir schon die ersten 6 Freunde begrüßt, die Pferde ein paarmal besucht und saßen abends dann auch schon das erste Mal gemütlich zusammen.

Samstag – das Kabardinertreffen

 Am Samstag nutzten wir die frühen und noch ruhigen Morgenstunden um noch ein wenig in der Bahn zu arbeiten, bevor dann alles Schlag auf Schlag ging. Über den Tag verteilt kamen immer mehr Leute an, teilweise auf der Durchreise schon nach München und wenigstens mal zum Vorbeischauen, der Großteil aber natürlich zum Bleiben. Das Wetter wurde schöner und unsere Pferde wunderten sich sicherlich ob des enormen Interesses – pilgerten wir doch mit jedem neuen Besucher über die Koppeln (gegen Abend waren Karin und ich bestimmt jeder 15 mal gelaufen).

Gegen Nachmittag bauten wir dann auch die Tische und Bänke auf (danke übrigens an die FFW Rudenshofen-Hackenhofen fürs leihen) und schnell bildeten sich unter Allen nach dem ersten Kennenlernen Gespräche und freundschaftliches Beisammensein. Der Grill lief dann auch langsam an und schließlich fanden sich alle dort ein – insgesamt dann doch gut 40 Leute, die Stimmung stieg und so manches Problem wurde angesprochen und sogar einige gelöst, vor allem aber wurde viel erzählt an eigenen Erfahrungen, Erlebtem, von den eigenen Pferden und erstaunlich war wie sich gerade eben bei den Pferden die Erfahrungen und Erzählungen wieder deckten. Fast alle erzählten hier das gleiche über „ihre Kabardiner“, was sichtlich zur Freude aller beitrug. In all dem Trubel entwickelten sich auch Ideen für die Zukunft und Initiativen, wie zum Beispiel der Anstoss für weitere Treffen und Veranstaltungen (z.B. im Oktober in Berlin (hierzu demnächst mehr)), oder für ein Brandzeichen für die in Deutschland gezogenen Kabardiner. Gerade die „Brandzeichenaktion“ entwickelte sich zu einem Hauptthema, das in einer großen künstlerischen Explosion mündete und eine Reihe von Ideen wurden entwickelt und wieder verworfen. Dabei entstanden mehrere sehr gute Vorschläge – zu den bereits seit einiger Zeit existierenden – die dann aber in einem Hauptvorschlag mündeten. Diese Vorschläge müssen jetzt noch auf „Brennbarkeit“ überprüft werden und werden dann auch demnächst hier vorgestellt.

Insgesamt war es ein wirklich schöner Abend – sogar das Wetter hatte mitgespielt und war wärmer geworden und trocken geblieben. Alle hatten viel Spaß und Freude, die noch lange bis in die Nacht währte und eigentlich wollte keiner so recht aufbrechen. Doch der nächste Tag wartete und wir wussten, dass er noch viel anstrengender werden würde und schon früh beginnen sollte, so wurde noch abschließend der Plan für Sonntag aufgestellt und dann ging es doch irgendwann ins Bett.

Sonntag – It’s Showtime!

 Bereits um 5:30 Uhr klingelte der Wecker und ausnahmsweise war ich auch mal sofort auf den Beinen (wie sonst nur Karin). Erst mal die Arbeitsklamotten über und schon ging es ans zusammenpacken und –räumen, die ersten Helfer waren auch bald wach und schon herrschte geschäftiges Treiben am Hof. Material wurde verstaut, Fahrgemeinschaften vereinbart und der Hänger für Temsa und Elessar bereitgestellt und kurz darauf waren die beiden verladen. Die anderen Pferde schon auf der Koppel ging es dann auch gleich im Convoy los, wobei sich 2 Fahrzeuge als Voraustrupp schon mal absetzten um Vorbereitungen zu treffen. In dem Vorausconvoy war dann auch ich dabei und Karin blieb bei Temsa.

Um kurz nach 9 war ich dann in München-Riem und sofort auf der Suche nach unserem Stand, den die IG Karabagh mit Verena Scholian und fleissigen Helfern ja schon aufgebaut hat – so dachte ich zumindest. Dank eines Navigationssystemes hatten sich die Armen aber verfahren, so dass sie erst 10 Minuten nach uns dort waren – aber immerhin trafen wir uns dann und schnell wurde der Stand von allen gemeinsam hochgezogen. Helfer waren wirklich reichlich da – Kabardiner verbinden halt !

Ich war derweil unterwegs die Box für Temsa zu suchen, die auch mittlerweile eintraf. Die Box war schwer zu finden, der fitte Stallmeister half uns aber ganz schnell und unproblematisch und wir hatten flugs eine Box für die beiden. Gerade den beiden (Temsa und Elessar) hier auch mal ein riesen Lob, sie waren einfach Spitze. Es ist schon toll wenn man sich so auf seine Pferde verlassen kann und sie auch in einer solchen „Ausnahmesituation“ sicher und souverän zu einem stehen.

Endlich eine Verschnaufpause – aber weit gefehlt – die Veranstalter hatten die Kabardiner 1 Stunde in der Zuchtschau vorgezogen, wir sollten also in ca. 10 Minuten dran sein. Dabei hatte ich Elisabeth Wagner mit Familie und vor allem ihre Rita und Eklipse noch gar nicht gesehen. Also erst mal zur Info – nein, erst Elisabeth suchen. Na das ging ja mal schnell, plötzlich standen sie vor mir mitsamt Pferden – und einem wunderhübschen Stutfohlen. Auch sie fanden kurzerhand eine Box und ich machte mich auf zum Stand, der mittlerweile wunderbar gediehen war und schon die Besucher anzog. Leider blieb mir kaum Zeit Gäste zu begrüßen und ein wenig mit zu plaudern, denn eigentlich waren wir ja schon dran in der Zuchtschau – also ab zum Zuchtring.

Petra Altmann – einer der guten Geister der Verbandes – begrüßte mich freundlich, doch mit der bestimmten Frage, wo wir denn blieben. Wir einigten uns auf 10 Minuten Verzögerung und glücklicherweise war Karin bereits am Herrichten von Temsa und Elessar und Familie Wagner kümmerte sich bereits um ihre Pferde. Also standen wir 10 Minuten später tatsächlich alle geschniegelt und gebügelt (Pferde bitte einmal waschen-fönen-legen ;-) ) am Zuchtring und Rita und Eklipse machten den Anfang.

In dem Moment steuerte quer durch die Zuchtschau ein älterer Herr – ich würde sagen ein typischer französischer Weinbauer – auf uns zu. Ein freundliches lächeln auf dem Gesicht und mir war klar, das muß Willus sein (à Special-Feature Dr. Willenbrink). Wir hatten bereits die letzte Zeit häufig telefoniert und ich hatte zwar gewusst dass er schon am Gelände sein muss – aber ihn noch nicht finden können. Es war mir schon eine unheimliche Freude, ihn nun endlich persönlich kennen zu lernen und dann tauchte er auch noch gerade im richtigen Moment – zur Zuchtschau – auf. Während wir ein paar erste persönliche Worte wechselten, wurde dann auch schon Eklipse fachkundig von den Richtern begutachtet und zeigt einen wundervollen Trab, was wir natürlich mit Interesse beobachteten. Auch stellte ich den Richtern Dr. Willenbrink als Rasseexperten vor, der die Kabardiner länger kennt, als kaum jemand anderes im „Westen“ und besser als die Meisten überhaupt. Schon entwickelten sich mit den Richtern interessierte Gespräche, die dann auch während der Beurteilung von Temsa und Elessar weitergeführt wurden. Auch die Vorstellung der beiden lief ganz ordentlich – wir hatten Befürchtungen gehabt, da Elessar beim Üben immer seine Mutter gebissen hatte und nie ordentlich lief.

Die Richter nahmen sich dann auch viel Zeit, zwischendurch fand sich sogar der Zuchtleiter Herr Kühn an unserem Ring ein und begrüßte zum Einen Herrn Willenbrink sehr freundlich und stellte ihn dem Publikum vor, zum Anderen nahm er sich auch Zeit für die Kabardiner. Besonders nett war, dass Herr Kühn sich noch gut an Willenbrinks Kabardiner aus den 80er-Jahren erinnerte, als er zum ersten mal eines dieser Pferde reiten durfte. Auch er freute sich, Herrn Willenbrink hier begrüßen zu dürfen.

Schließlich kam dann noch die Abschlussbeurteilung der Kabardiner, die auch noch mal ziemlich dauerte und bei der auch Pokale verteilt wurden. Bei den Fohlen gewann – ganz knapp „die Fohlen geben sich nicht viel und sind beide sehr gut“ (O-Ton Richter) Elessar. Besonders freute uns, dass sich die Richter an Edil erinnerten und meinten er habe seine gute Hinterhand sehr positiv vererbt und beide Stuten hier verbessert, na das ist doch ein Zuchterfolg. Bei den Stuten war nur Temsa angetreten und gewann so – außer Konkurrenz.

Die Richter lobten dann noch mal die Qualität der Fohlen und dass sie die Zukunft der Kabardiner mit solchen Zuchtergebnissen als durchaus positiv betrachten.

Fortsetzung ...