Die Gebirgskoenige und Distanzcracks aus dem Kaukasus!

Vor einigen Tagen ereilte uns die überaus traurige Nachricht, dass Dr. Rudolf
Lessing (siehe artikel "Kabardiner und die Rettung der Lipizzaner") plötzlich
verstorben ist.
Einige von Euch wissen vielleicht, dass er sich - trotz seines hohen Alters -
bereit erklärt hatte, am 27./28. Juli in München Riem als Zuchtrichter
einzuspringen für die Rassen Kabardiner und Lipizzaner.
Mit seinem Tod verlieren wir nicht nur einen anerkannten,
versierten Pferdefachmann. Selten habe ich einen Menschen kennen gelernt, der
einen derart starken Eindruck bei mir hinterließ.
Sein Mut, seine Erfahrung, sein mit 85 Jahren ungebremster
Unternehmungsgeist werden mir immer ein Vorbild sein.
Karin Stadtherr
Ich möchte noch anmerken, dass es auch mir eine große Ehre war Herrn Dr. Rudolf Lessing persönlich kennen gelernt zu haben. Er nahm Kontakt zu mir auf, weil er mir unbedingt etwas über Kabardiner erzählen wollte (siehe artikel "Kabardiner und die Rettung der Lipizzaner"). Allein dieser Besuch hinterließ auch bei mir einen weiter bestehenden Eindruck. Als ich ihn Anfang des Jahres fragte, ob er als Richter der Kabardiner für den bayrischen Zuchtverband tätig sein wolle, war er gerade aus Gran Canaria zurück, hat mir von dem wunderbaren Urlaub und schelmisch von den vielen hübschen Damen dort erzählt und war rundum zufrieden. Ich bin mir sicher er hatte ein erfülltes, langes und glückliches Leben, es war mir eine Ehre in kennen gelernt zu haben und ich werde ihn nicht vergessen.
Tobias Knoll
Trauer um einen großen Hippologen:
Dr. Rudolf Lessing verstorben
Im Alter von 85 Jahren verstarb an Pfingsten der Tierarzt Dr. Rudolf Lessing. Er
war das, was man als großen Pferdemann, eben einen Hippologen bezeichnet.
Weltweite Berühmtheit erlangte der junge Veterinäroffizier Lessing, als er in
den letzten Kriegstagen, entgegen seinen Befehlen, in einer handstreichartigen
Aktion dafür sorgte, dass die im tschechischen Hostau zusammengezogene
Lipizzanerzucht gerettet werden konnte. So ganz nebenher wurde dabei auch noch
verhindert, dass 12.000 Soldaten in russische Kriegsgefangenschaft gerieten.
"Ich war zufällig zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle und es war eben ein
unerhörter Glücksfall, dass die Amerikaner auch noch Pferdefreunde waren"
beschrieb Dr. Lessing in seiner ihm eigenen Bescheidenheit immer wieder diese
Situation. Gleich nach dem Kriege, als alle nur daran dachten, satt zu werden,
gründete Dr. Lessing in Schwanewede bei Bremen den Reitverein Rosenberg wieder
neu und sorgte schon bald dafür, dass dort die erste Reithalle weit und breit
entstand. Ähnlich visionär auch seine damaligen Vorstellungen zur Pferdezucht:
Die schweren bäuerlichen Pferde mit Vollblütern veredeln. Sofort setzte sich Dr.
Lessing 1947 mit dem Celler Landstallmeister Steinkopff zusammen und sorgte
dafür, dass der von zahlreiche Derbysiegern abstammende Graditzer Vollblüter
Adlerschild xx in Uthlede aufgestellt wurde. "Je Ideoten, de Fohlens de holt us
de Kreien von de Weide" urteilten damals viele Bauern der Umgebung. "Man muss im
ganzen Leben eben seinen eigenen, gradlinigen Weg gehen", war Dr. Lessings
Kommentar zu dieser Geschichte. Diese Haltung hat er immer beibehalten und war
auch deshalb als Tierarzt, Richter, Vereinsvorsitzender, Mitglied der
Rennleitung beim Bremer Rennverein sowie Lehrer bei den Fachklassen für
Pferdewirten in Bremen so beliebt. Anfangs unterrichtete er den Berufsnachwuchs
noch ehrenamtlich und sorgte dann noch dafür, dass sein Nachfolger auch ja gut
eingearbeitet wurde. Auch wieder ehrenamtlich! Zu den Fachklassen für
Pferdewirten hielt Dr. Lessing bis zum Tode einen engen Kontakt, begleitete sie
zu Exkursionen, stiftete Preise für Auszubildendenrennen, begeisterte immer
wieder die vielen ausländischen Besucher der Bremer Berufsschule und war dort
einfach ein gern gesehener Gast und wertvoller Ratgeber. Dr. Lessings
Lebensleistung wurde durch zahlreiche Ehrenmitgliedschaften und Auszeichnungen
gewürdigt. Besonders stolz war Dr. Lessing über das goldene Reiterkreuz, dass
ihm von der FN verliehen wurde. Stilvoll während einer Lipizzanergala in der
Stadthalle Bremen. Das anschließende herzliche Zusammensein mit "seinen"
Lipizzanern und den Reitern der Spanischen Reitschule war ihm bald noch
wichtiger.
Dietbert Arnold