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Bericht über Lena und Luna - Pferdekauf aus eins mach zwei ... 

Steckbrief Lena
Geschlecht: Stute
geb.: 08.11.1998
von: Igrim
aus:
Rasse: Kabardiner

Ich hatte geplant mir in diesem Jahr ein Pferd zu kaufen. Bisher hatte ich jedoch noch nie etwas von „Kabardiner“ gehört. Meine Favoriten waren Berber oder Lusitano.

Zu dieser Zeit bemühte ich mich sehr um Kontaktadressen von Züchtern in Deutschland aber auch in Portugal.

Ein Zufall spielte mir die damalige Ausgabe von „Pferde heute“ in die Hände und ich las zum ersten Mal von Kabardiner im artikel von Tobias Knoll.

Die Beschreibung des Charakters faszinierte mich - war dieser doch meiner Meinung nach vergleichbar mit dem des Berbers.

Somit wurde ich neugierig und las mich in die Internetseite von Tobias Knoll ein (von der ich mich bis heute noch nicht trennen kann).

Dort fand ich zum Einem wesentliche Informationen zu dieser Rasse - was mich noch neugieriger machte- und was noch wichtiger war Züchter und Halteradressen in meiner Nähe.

Nichts lag näher als mit diesen Personen Kontakt aufzunehmen.

Es dauerte nicht mal 2 Wochen  und ich hatte den ersten „Lokaltermin“. Endlich konnte ich mir diese Pferde in „Natura“ anschauen.

 Nach Aussage des Vorbesitzers wurde Lena am 08.11.1998  abends auf der Weide in Mitten der Herde geboren..

Aufgewachsen ist sie, bis wir sie von uns gekauft wurden, auf dem Hof in ihrer Herde.

Als sie in unseren Besitz überging war sie knapp 2 ½ Jahre alt.

Obwohl ich – wie gesagt - nicht geplant hatte mir so kurzfristig ein Pferd zu kaufen; wurde ich doch etwas überrumpelt von einer bestimmten kleinen struwweligen Stute.

Ausschlag gebend war die erste Begegnung: mein Freund und ich standen in Mitten der Herde und unterhielten uns mit dem Hofbesitzer der einige seiner Pferde vorstellte und erklärte..

Zutraulich kam diese Stute an uns heran, legte meinem Freund den Kopf auf seine Schulter und blieb so stehen bis wir unser Gespräch beendet hatten. Als ob es die selbstverständlichste Sache der Welt wäre und die beiden sich schon Ewigkeiten kennen würden. Sie fühlte sich in seiner Nähe offensichtlich sehr wohl.

In diesen Minuten war unsere Entscheidung bei getroffen. Aber eigentlich hatte sie uns ausgesucht und nicht umgekehrt.

Am Abend  zu Hause und in den nächsten Tagen war Gesprächsstoff Nr. 1 die kleine Stute die LENA hieß.

Mein  Freund bestärkte mich und ein zweites Treffen wurde vereinbart.

Dieses Treffen entwickelte sich zum Verkaufsgespräch; der Preis wurde verhandelt und der Termin für die Ankaufsuntersuchung vereinbart.

Nachdem Lena auf Herz und Nieren durch einen Tierarzt unseres Vertrauens (der auch heute noch unser Tierarzt ist) untersucht wurde - wobei eine kleine Überraschung  gelüftet wurde - kam es eine Woche später zum endgültigen Kauf.

Lena wurde verladen und zu Ihrem zukünftigen neuen Zuhause gefahren.

 Heute ist Lena seit 4 Monaten bei uns.

Wir mussten zwischenzeitlich mit der Lütten umziehen - aber darauf komme ich noch später.

Die ersten 3 Wochen waren einsam für Lena gewesen. Leider musste sie alleine stehen (auf einem großen Reitplatz) da die erste Impfung die sie noch vor unserem Kauf bekam noch nicht wirkte und sie zusätzlich auf Hautpilz behandelt wurde.

Nachdem drei Wochen vergangen waren und vom TA bestätigt wurde, dass alles in bester Ordnung war konnten wir Lena einherden.

Dies verlief jedoch nicht so wie wir es uns vorgestellt hatten.

Leider war die Herde nicht so erfreut über die „Neue“ wie Lena sich „treudoof“ auf die Herde gefreut hatte. Es kam leider zu unschönen Szenen auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte - wobei Lenaus Verletzungen  nur knapp daran vorbeigingen von TA versorgt werden zu müssen. Bis heute hat sie an den Hinterbeinen jeweils kleine aber unschöne Einschlüsse.

Die ersten Wochen sah Lena  aus wie ein Flickenteppich - und wir waren froh, wenn mal ein Tag vorbeiging ohne dass wir bei Lena eine neue Verletzung fanden und behandeln mussten.

Nach und nach vergingen die Wochen und es schien sich alles zu beruhigen. Wir waren jedoch erstaunt darüber, dass sich Lena bei keiner dieser Attacken jemals wirklich konsequent gewehrt hat.

Während dieser Zeit beschäftigten wir uns täglich mit Lena.

Sie hatte noch viel zu lernen - beginnend mit „am Anbinder beim Putzen stille zu stehen“, weitere Übungen alles was mit „Halfterführigkeit“ zu tun hatte, beim Schmied nicht auszurasten, erste Spaziergänge über die Weiden und in den Wald etc. --> was erzähle ich eben viel Bodenarbeit / Grundgehorsam.

 Die kleine Überraschung - von der ich zu Anfang sprach - wurde zu Ende März immer sichtbarer.

Als wir sie im Januar kauften diagnostizierte unser TA eine Trächtigkeit der Stute ca. im 7. Monat. Eine genauere Bestimmung war leider nicht möglich - da es sich um einen „Weideunfall“ handelte wie es sich im nachhinein herausstellte. Für uns jedoch war dies kein Grund Lena nicht zu kaufen, denn Schwangersein ist ja  keine Krankheit.

Jedenfalls kam der Nachwuchs am 8.04.2001 - auf einem Sonntag um 13.40 Uhr - auf der Weide zur Welt. Neben der eingekoppelten Herde die mit  vollem Interesse und Neugier diesem Vorgang verfolgte.

Es gab zum Glück keinerlei Komplikationen. Ein kleines Stutfohlen wurde geboren, das wir LUNA tauften.

Mutter und Tochter blieben erst mal für sich. In der Nacht in der Box um am Tag Vormittag und Nachmittag für jeweils 2-3 Stunden auf den koppelangrenzenden Weide.

Das Fohlen entwickelte und entwickelt sich bis heute noch prächtig.

Die Mutter hat sich auch von der anstrengenden Geburt schnell erholt und umsorgt ihr Fohlen vorbildlich.

Die zu Anfang aufgetretenen Milchprobleme bei der Mutter haben wir auch in kurzer Zeit  in den Griff bekommen. Unter anderem durch die TÄ Unterstützung  aber auch durch die Erfahrungswerte von Karin und Tobias.

Luna hatte vom ersten Tag an Kontakt zu uns und es gab nie Probleme mit ihr. Auch Lena hatte durch die vorhergegangene Arbeit mit uns schnell Vertrauen gefasst; dadurch denke ich gab es auch keine Probleme mit ihr wenn wir uns mit ihrem Fohlen beschäftigten..

Nach etwa drei Wochen versuchten wir Lena und Luna einzuherden.

Leider gab es dabei ein großes Problem. Obwohl die Herde Lena mehr oder weniger in den letzten 3 Monaten aufgenommen hatte und die Geburt auch hautnah miterlebt hatte, kam es zu einem Zwischenfall der beinahe das Leben von Luna gefährdete.

Eine Stute aus der Herde - nicht gerade eine ranghohe, aber eine sehr große- ging mit gefletschten Zähnen, angelegten Ohren im Jagdgalopp mehrere Male auf Luna los. Luna konnte ihr Heil nur darin suchen durch den  E-Zaun zu preschen.

Aus damaliger Unwissenheit meinerseits und Vertrauen zu den Hofbesitzern ließ ich es zu, den Versuch mehrmals zu starten. Jedes Mal endete es damit, dass Luna durch den E-Zaun gejagt wurde und außerhalb der Koppel zum stehen kam. Zitternd und klappernd. Lena ist leider nicht stark genug gewesen ihr Fohlen vor dieser wildgewordenen Stute zu schützen.

Der letzte Versuch  endete damit, dass Lena von mehreren Stuten der Herde von ihrer Tochter weggetrieben wurde. Luna wurde von  diesen Stuten in eine Ecke der Koppel gedrängt; dabei versuchten diese Pferde Luna mit den Vorderbeinen zu erschlagen bzw. tot zubeissen.

Wir konnten dies jedoch glücklicherweise durch energisches Einschreiten verhindern. Körperliche Schäden haben Luna und auch Lena nicht davongetragen - aber... .

Wenn ich dies hier so schreibe, dann übertreibe ich gewiss nicht. Ich möchte nur jeden davor warnen, der vielleicht vor der gleichen Situation steht oder bald stehen wird - auf gar keinen Fall ohne sein Beisein seine Stute mit Fohlen in eine Herde hineinzubringen, dessen er sich nicht sicher ist..

Ein Versuch ist o.k. - aber bitte nicht den gleichen Fehler machen den ich gemacht habe.

Den sogenannten Fohlenschutz - auch durch das Klappern des Fohlens mit dem Mäulchen - scheinen  einige Pferde wohl doch nicht zu kennen, jedenfalls habe ich diese Erfahrung bei dieser Herde machen müssen.

Hört nicht auf die „besserwissenden“ - wenn es beim ersten mal nicht klappt und es so massiv zur Sache geht - sucht euch eine neue Herde - nicht einen neuen Stall - sondern es geht um das Pferd nicht um euch.

Die Sache ist es nicht Wert, wenn ihr ein verkrüppeltes Fohlen - oder auch ein totes Fohlen habt.

Ich habe meinen Entschluss gefasst und habe eine neue Herde gesucht und auch gefunden.

 

Wir sind am 1. Mai 01 umgezogen. Die neue Herde umfasst 4 Pferde - ausschließlich Stuten..

Eine alte Leitstute,  3 Jährlinge.

Es ist eine Offenstallhaltung  / Weide.

Es hat genau einen Tag gedauert bis Lena und Luna eingeherdet waren.

(>Merkwürdiger Weise ohne schlagen jagen prügeln<)

Seit die beiden dort stehen, habe ich bis heute keine Verletzung gefunden, die von einer Rangelei oder Beißerei herrühren könnten.

Lena und Luna hatten einige Zeit gebraucht um zu verstehen und Ihre Ängste vor anderen Pferden der Herde abzubauen. Die erste Zeit hat Lena kein Pferd auf 5 Meter an sich oder das Fohlen herangelassen aus Angst.

Luna hat genauso lange gebraucht nicht zitternd und klappernd zur Salzsäule zu erstarren, wenn sich ein Pferd aus der Herde ihr genähert hat.

Beide sind heute ausgeglichene und ruhige Tiere die in der Herde ohne Angst leben.

All das was die beiden vorher erlebt hatten, hätte ich ihnen ersparen können - wenn ich doch nur mehr auf meinen „Bauch“ gehört hätte.

Heute habe ich wieder ein Pferd wie ich es vom Anfang her kannte.

Und mir geht es auch besser, denn ich brauche nicht jeden Tag mit der Angst zu meinen beiden Lütten zu fahren, dass wieder ein Stück Fell fehlt oder ein Bein dick ist oder...... -

artikel vom Mittwoch, 6. Juni 2001 19:46:00