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Karakes (1)

Karakes heißt er. Ein fremd klingender Name aber nicht schlecht. Wie spricht man das überhaupt aus? Erkundigungen darüber haben ergeben, dass die Betonung auf dem ersten „a“ liegt und das „s“ wie ein „sch“ gesprochen wird; also Ka´rakesch. 

Wir haben ihn doch nicht von Herrn Seitle abgeholt, wie zuerst geplant, da der Amtstierarzt die importierten Pferde erst am Mittwoch, den 26. September freigegeben hat. Da sich dann aber der Transport für uns als schwierig zeigte, hat mir der Herr Seitle ihn gebracht. Er kam also am Mittwoch abend und ist direkt beim Tierarzt abgeliefert worden um bald gelegt zu werden. Der fand ihn anderntags allerdings als für zu schlecht aussehend, als dass er ihn hätte kastrieren wollen. Er gab ihm als erstes ein Wurmkur, eine Ausbauspritze und eine Tetanusimpfung. 

Da ich für ihn aber keinen Platz hatte, wo ich ihn als Hengst hätte lassen können, war ich erst mal in Not. Da wo ich ihn ursprünglich lassen wollte, hatte sich auch erledigt (aus Gründen, die ich hier nicht öffentlich schildern möchte). Aus dieser Not heraus sind mir meine jetzigen Stallbesitzer entgegengekommen. Da ihr sehr dominanter PRE-Wallach in letzter Zeit den anderen Wallachen gegenüber sich sowieso nicht benehmen konnte und er kurzzeitig separat gehalten werden musste, haben die seinen Auslauf ein wenig vergrößert, so dass wir Karakes dazustellen konnten. Das geht wohl auch ganz gut, Karakes ordnet sich unter, lässt sich aber
sonst wenig sagen. Ich bin so froh, jetzt habe ich schon vor Beginn des Winters meine beiden Pferde zusammen im selben Stall stehen. Wie das Schicksal immer so spielt, ist doch schon beeindruckend.

Ich habe Karakes die ersten zwei Tage nur geführt und ihm versucht, das Rückwärtsrichten beizubringen. Er lernt sehr schnell, obwohl er nicht auf Druck reagiert. Er ist unglaublich wesensfest. Da sollte man doch meinen, dass er unseres hiesiges Umfeld nicht kennt. Er erschrickt sich so gut wie gar nicht, ob von hinten Fahrradfahrer angesaust kommen oder die vielen Autos an uns vorbeifahren, wir können nah an einem ratternden Trecker vorbeigehen und ebenso querfeldein über Stock und Stein. Er folgt mir willig und lässt sich beim Grasen am Wegrand auch wieder auffordern zum Weitergehen. Und das, obwohl er bislang keine Erziehung genossen hat. Er kennt das ja alles nicht mal. Einzig beim Treiben zu einer schnelleren Gangart bremst er eher ab. 

Wie ich schon sagte, auf Druck reagiert er nicht, zumindest nicht in meinem Sinne. Das habe ich auch erfahren, als ihn am dritten Tag mal longieren wollte. Dieser Eiertanz war sehenswert. Wie bringt man ein Pferd dazu, um einen herumzulaufen anstatt hinter einem her. Wenn ich ihn mit der Peitsche hinten antippte, schlug er danach aus und blieb stehen. Wir haben es hinterher aber doch hinbekommen, zumindest in Ansätzen. 

Den Weg vom Tierarzt zum Stall habe ich ihn geführt, wir sind 1 ½ Stunde gelaufen. Dabei haben wir mehrere vielbefahrene Straßen überquert, sind an anderen Reitern vorbei und über freies Feld. Hätte ich jemanden gesagt, dass ich einen Hengst am Strick habe, hatte er mir
es nicht geglaubt. 

Jetzt kann sich Karakes erst mal erholen, bevor er gelegt wird. Das muss auf jeden Fall sein, denn zur nächsten Weidesaison soll er auch mit den Stuten zusammen in einer Herde stehen. 

Ich habe ihn jetzt eine Woche und bin schon so glücklich über ihn, wie eine Mutter über ihr Kind. Wir werden im Laufe der Ausbildung sicherlich  unsere Kämpfe noch austragen, gerade weil stur ist, aber ich bin sicher, dass wir ein ganz inniges Gespann werden.

Wie es uns dann weiterhin ergangen ist, werde ich im nächsten Bericht schreiben.

Bis dahin, Astrid

weiter zum nächsten Teil