Karakes steht immer noch mit dem PRE-Wallach zusammen. Er hat sich ein paar Bisswunden
eingefangen, aber seit dem sind sie dicke Freunde. So lange der Wallach noch separat stehen
muss, kann ich Karakes auch noch Hengst lassen.
Obwohl er 4 ½ Jahre ist, hat er überhaupt noch keine Hengstausprägung, weder körperlich noch
psychisch. Ich kann ihn als Handpferd mit meiner Stute ins Gelände nehmen, er läuft neben und
hinter ihr und hat noch nicht einmal den Anflug eines Hengstverhaltens gezeigt. Wenn alle
Kabardinerhengste sind, wie mein Karakes, dann wundere ich mich, wie die Rasse sich vermehrt.
Leider ist es unausweichlich, dass er gelegt werden soll, nämlich zwar dann, wenn wir die Herde
wieder zusammenführen. Vielleicht fällt ihm dann bei einer Vollmondnacht doch noch mal ein,
dass er sein Ding nicht nur zum Pinkeln hat. Wir wollen weder riskieren, dass er unsere Stuten
deckt, noch wollen wir den Herdenchef neu provozieren, indem er seine Stuten verteidigen muss.
Dann müsste der wieder in Einzelhaft.
Mit der Ausbildung lasse ich mir viel Zeit. Obwohl ich weiß, dass er schon geritten wurde,
betrachte ich ihn als roh, da er eigentlich gar nichts konnte. Ich arbeite ihn an der Hand und an der
Longe und werde ihn erst im nächsten zeitigen Frühjahr reiten, dann aber gleich auf Ausdauer
trainieren.
Das interessante bei der Ausbildung ist seine Wesensstärke. Ich übe das Dominanztraining mit
ihm und er lässt sich nicht dominieren. Ich habe ja nun schon ein Pferd ausgebildet und weiß, wie
man das macht. Mir sind die Reaktionen und die Körperhaltung des Ausbilders geläufig. Es
funktioniert auch bei meiner Stute; nur nicht bei Karakes. Immer wenn er positiv reagiert, habe ich
das Gefühl, er macht es mir zuliebe. Wenn ich den Druck verstärke, bleibt er stehen und schlägt
sogar aus. Er macht erst dann wieder weiter, wenn ich den Druck wieder etwas wegnehme.
Nachtragend ist er auch. Dabei ist er fast so schlimm, wie meine Katze. Als ich ihn das erste mal
etwas energischer gearbeitet habe, war er so beleidigt, dass er nicht mal mehr ein Leckerchen aus
meiner Hand nahm. Ich musste zwei Tage wieder um seine Gunst werben. So nähern wir uns
Schrittchenweise einander an und lernen uns kennen. Er hat schon ein ganz eigenes aber sehr
liebenswertes Wesen.