Jeder Pferdebesitzer weiß wohl (auch aus den unzähligen Fachzeitschriften) wie wichtig die Zahnpflege auch bei seinem Vierbeiner ist, doch die Umsetzung in die Praxis lässt oft zu wünschen übrig. Stimmt's?
Uns war bewusst, dass wir die Zähne unseres 18jährigen Kabardiner-Wallachs kontrollieren lassen sollten. Seit wir ihn käuflich erworben hatten (vor 3 Jahren) waren wir auf diesem Gebiet nicht wirklich tätig geworden und das aus verschiedenen Gründen:
1)
Ließ sich Beglez anfangs überhaupt nicht am Kopf anfassen. Tja, wie
sollten
wir da so eine Behandlung durchführen lassen?
2)
Wir haben des öfteren Tierärzte bei dieser Arbeit beobachtet und waren
nicht gerade begeistert von der Art und Weise, wie das Zähneraspeln
bewerkstelligt wurde (mit Maschine, Zunge raus, Nasenbremse, im Schnellverfahren
oder gleich total sedieren!).
Doch der Zufall wollte es so, dass wir auf dem Hufsymposium der GdHK in Bobingen November 2000 Ulli Wallner aus Österreich kennenlernten. Ulli ist ausgebildete Zahnpflegerin, hat ihre Ausbildung in Canada bei Louis Pequin (horse dentist) gemacht. Sie hat uns kurz berichtet, wie sie denn so arbeitet (überwiegend manuell) und auf was man alles achten muss beim Gebiss der Pferde. Wir hatten ein gutes Gefühl und tauschten unsere Adressen aus. So kam es dann auch, dass wir Anfang dieses Jahres mit ihr Kontakt aufnahmen, um einen Zahnpflegetermin zu vereinbaren. Aus rationellen Überlegungen besprachen wir, dass wir versuchen sollten einen Sammeltermin für mehrere Pferde in unserem Gebiet zu machen, damit sich auch die anfallenden Fahrtkosten pro „Patient“ in Grenzen halten. Gesagt, getan. Wir sprachen unsere „Pferde-Bekannten“ an und informierten sie über unser Vorhaben. So geschah es, dass sich 6 Pferde einfanden, welche einen „Zahnkundendienst“ benötigten. Gleichzeitig informierten wir unsere Tierklinik, dass wir an diesem Wochenende evtl. einen Tierarzt zum Sedieren brauchen (dormosedan). In aller Regel versucht Ulli jedoch ohne diese zusätzl. Belastung fürs Pferd zu arbeiten.
In manchen Fällen ist jedoch eine Sedierung unerlässlich, da bei einem zappeligen Pferd kein korrektes Arbeiten möglich ist und die Verletzungsgefahr im Maul zu hoch wird, was dann wirklich sehr schmerzhaft für das Tier sein kann.
Wir waren gespannt wie unser Pferd die ganze Sache über sich ergehen lassen würde, dass er auf alle Fälle äußerst kritisch sein wird, war uns aber klar. Eben typisch Kabardiner (was will der/die Fremde von mir, ich sehe das gar nicht ein, dass mir da jemand im Maul rumacht). Wir verabreichten Beglez sowie Data, dem Pferd unserer Bekannten Sabine, Bachblüten. Mal sehen, wie es wirken sollte.
Am 16.03.2001 reiste Ulli
mit ihrer Mutter Maria (Tellington-Ausbilderin) bei uns an. Wir hatten für sie
ein Privatquartier besorgt zum Schlafen. Es ging gleich am Freitag nachmittag
los mit der Arbeit. Als erster wurde Data (Quarter-Horse) behandelt. Data fand
es zwar nicht sehr lustig, was da passierte, aber er ließ die Prozedur brav über
sich ergehen.
Bei unserem
Pferd war es allerdings nicht so einfach. Anfangs hat er sich ja noch erweichen
lassen, dass man ihm ins Maul fasst (er wird auch gebisslos geritten), aber
irgendwann war ihm das Gefeile doch zu blöd und er wurde ziemlich bockig. Da
bei ihm einiges zu raspeln anstand und Ulli pro Behandlung bis zu 50 Minuten
brauchen kann, entschlossen wir uns nach einigen Versuchen doch für eine
Sedierung. Der Tierarzt wurde gerufen und Beglez erhielt 0,6 mg Dormosedan
gespritzt. Ziemlich schnell wurde er müde und wir stützten seinen Kopf, damit
Ulli weiterarbeiten konnte. Jedoch gab er die Kontrolle über seinen Körper nie
ganz auf, man sah es seinen Augen an. Ulli arbeitete intensiv an seinen hinteren
Backenzähnen und raspelte manuell bis 4 mm runter. Die Schneidezähne mussten
nicht gekürzt werden, darüber hinaus befand sie die Zähne unseres Pferdes als
sehr gut und lt. Zahnanalyse auf einige Jahre jünger als de facto. Darüber
freuten wir uns dann doch und sahen dies auch als kleine Bestätigung, dass
unsere Fütterung ok ist.
Inzwischen war es abends geworden und wir alle brauchten eine Stärkung. Für diesen Tag war nur noch Essen fassen angesagt. Dabei wurden Erfahrungen ausgetauscht und viel über Pferde gesprochen.
Am nächsten Tag ging es nach einem gemeinsamen Frühstück wieder weiter. Es standen noch 4 Pferde auf dem Programm, davon einige Kandidaten, die bisher wohl kaum eine Zahnbehandlung erhielten.
Bei einigen Pferden war die Korrektur des Gebisses auch ein Teil der
ganzheitlichen Behandlung meines Mannes, der Cranio-sacrale Osteopathie für
Pferde praktiziert. Man sollte die Zusammenhänge in diesem Bereich nicht
unterschätzen und unsere Zahnpflegefrau Ulli bestätigte uns dies immer wieder.
Von den 6 Pferden konnten allerdings nur zwei Pferde ohne Sedierung behandelt werden. Es war bei einigen allerhand zu tun und Ulli kam ganz schön ins Schwitzen. Unter den (kritischen) Augen der Tierärzte, welche die Sedierung vornahmen, arbeitete sie höchst genau an den Zähnen der Tiere, kontrollierte immer wieder mit der Hand (beeindruckend wie Ihre Hand im Pferdemaul verschwand). Sie näherte sich den Pferden ruhig und ausgeglichen um das Vertrauen der Tiere zu gewinnen, massierte den Pferden anfangs im Maul und ließ sich Zeit bis zum eigentlichen Beginn der Behandlung. Stets war sie konzentriert und sprach mit Ihren „Patienten“ geduldig und auf liebevolle Weise, auch wenn diese nicht immer ganz ruhig standen. Wer diesen Behandlungen beigewohnt hat, kann verstehen, dass ein Behandlungspreis zwischen 40,00 € – 80,00 € gerechtfertigt ist. Die Energie, mit der Ulli ihre Arbeit am Pferd macht ist absolut positiv.
Wir alle waren
von Ihrer Arbeit sehr angetan, ein ständiger Erfahrungsaustausch wurde
angestrebt. Am Samstag Abend verabschiedeten wir unseren Besuch und stellten
fest, dass sich hier Menschen mit gleicher Gesinnung und Lebensauffassung
gefunden hatten. Mitte Juni 2001 besuchten wir Fam. Wallner und Ihre 10
Aegidienberger in Tirol (1. Gangpferdezentrum Tirols). Dort durften wir diese
wirklich nette Pferderasse näher kennenlernen und auch reiten (tölten!).
April 2002:
Ein Jahr war
vergangen nach der ersten Zahnbehandlung. Nachdem wir im September nochmal ein
Pferd (Kabardinerhengst) gekauft hatten, war es für uns logisch wieder Ulli
anzurufen und Sie um einen Termin für die Zahnpflege unserer und anderer Pferde
zu bitten. Der Termin kam dann recht spontan zustande und Ulli Wallner reiste am
Freitag in aller Früh an. Wir hatten wieder einen 2tägigen Behandlungsplan für
ca. 10 Pferde ausgearbeitet. Einige Kandidaten vom letzten Jahr mußten nur mal
wieder kontrolliert werden, einige andere Pferde waren „Frischlinge“. Wir
informierten wieder unsere Tierklinik, für den Fall, dass eine Sedierung
notwendig würde. Erfreulicherweise mußten wir jedoch bei keinem der Pferde,
die letztes Jahr von Ulli behandelt wurden, eine Sedierung vornehmen. Die
Nachfeilarbeiten waren meist innerhalb 10 – 20 Minuten erledigt. Bei Imbir,
unserem neuen 6jährigen Pferd mußten beide Wolfszähne gerissen werden. Ebenso
bei einer Pintostute, wo die Wolfszähne blind im Kiefer lagen. Bei diesen
beiden Pferden war darum eine Sedierung nötig. Ansonsten brauchten wir den
Tierarzt nicht weiter bemühen. Selbst bei Pferden, wo Tierärzte angeblich
regelmäßig die Zähne kontrolliert hatten, war einiges zu tun. Alle neuen
„Kunden“ waren recht angetan von Ulli’s Arbeit und meldeten ihr Interesse
für das nächste Jahr gleich wieder an.
Wir haben es
nicht bereut Ulli zu uns nach Bobingen geholt zu haben und können sie guten
Gewissens an jeden weiterempfehlen.
Wer Interesse
an Ulli’s Telefon-Nr. hat meldet sich einfach unter RillingSB@web.de
oder (0 82 34) 87 99 oder direkt bei ulli.wallner@gmx.de.
Barbara Rilling