Was sind Kabardiner, Karachaever, Karachaier, Anglo-K., Kabardiner Polukrovni, usw.?

Im Kaukasus gibt es eine Fülle von Pferderassen, darunter auch die Kabardiner, die wiederum in einigen Varianten - auch in der Namensgebung vorkommen. In der Folge werde ich die wichtigsten vorkommenden Namen, Rassen und Typen ein wenig erläutern.

Kabardiner
Kabardiner existieren unter diesem Namen bereits seit dem 17.Jahrhundert. In der Rasse selbst  gibt es 3 verschiedene Typen, je nach Einsatzgebiet den schweren, den mittleren und den leichten Typus. Der schwere Kabardiner wird entsprechend zur Feldarbeit eingesetzt, der leichte nur zum Reiten, als Weg und Saumpferd und für den Kampf. Der mittlere Typ ist für beides geeignet, nicht so speziell wie die beiden anderen, aber eben universell. Die Pferde sind auch heute hauptsächlich unter diesem Namen bekannt.

Karatschaier
Karatschaier kommen aus dem Gestüt Karatschai in der heutigen Republik "Karachai-Tscherkessien". Die Pferde die dort gezüchtet sind optisch von Rasse- und Zuchtzielbeschreibung identisch mit den Kabardinern und wurden lange Jahre zusammen mit den Kabardinern unter diesem Namen geführt. Aufgrund völkischer Interessen (es gibt auch die Völker Kabardiner (tscherkessisch stämmig) und Karachaier (balkarisch stämmig)), findet hier aber eine von den Karachaiern vorangetriebene zunehmende Trennung im Kaukasus statt, da die Karachaier auch gerne eine eigene Rasse möchten.
Diese Entwicklung ist zumindest teilweise verständlich, aber trotzdem durchaus zu bedauern, da der Genpool einer Rasse so künstlich getrennt wird. In der Kabardinerzucht werden auf alle Fälle auch weiterhin Kabardiner mit Karachaier Abstammung eingesetzt und wie bei allen Gestüten wird als Zuchtort eben das Gestüt Karachai vermerkt, so dass die Bezeichnung nicht verloren geht. In der Stutbuchführung der Kabardiner werden Karachaier als Kabardiner-Karachaier eingetragen.
Außerdem gibt es auch ein Karachaier-Stutbuch, in dem aber - soweit mir bekannt - keine Kabardiner eingesetzt werden dürfen, es findet also eine strickte Abgrenzung aufgrund der volksstämmigen Zugehörigkeit statt. Hier zeigt sich wie schwer die Situation im Kaukasus mit den vielen dort vorhandenen Völkern und Stämmen ist und was für eigenartige Probleme sich daraus ergeben.
Besonders beachtet werden sollte, daß es ja auch noch weitere Gestüte und Regionen gibt, in denen Kabardiner gezüchtet werden und auch diese könnten sich entsprechend abspalten und so ein Gestüt in Georgien plötzlich nicht mehr Kabardiner sondern Georgier züchten.
Man kann nur hoffen, dass sich die Vernunft über Reviergrenzen hinwegsetzt und im Interesse der Pferde die Gruppen doch gemeinsam gehalten werden, was auch aus wirtschaftlicher Sicht sicherlich sinnvoller ist, da dann alle gemeinsam eine Rasse publizieren können.

Karachaever
Bei Übersetzungen wurden Karachaier in der Vergangenheit häufig als Karachaever oder Karatschaever übersetzt. Sprachwissenschaftler sind sich jedoch einig, daß die korrekte Übersetzung und somit der Name der Pferde Karachaier lauten muss.

Anglo-Kabardiner und Anglo-Karachaier
Anglo-K. entstehen durch Kreuzung von Kabardinern mit Vollblut-Pferden. Dabei wird auch im Kaukasus nicht mehr zwischen Anglo-Kabardinern und Anglo-Karachaiern wirklich unterschieden, da auch diese eben nicht zu unterscheiden sind (außer durch die Herkunft der Pferde).
Da in den Kabardinern bereits seit 1900 Vollblut eingesetzt wird, um die Pferderasse zu veredeln, fließt heute in nahezu allen Kabardiner "Vollblut" in geringen Anteilen, was der Rasse durchaus gut getan hat. Ab einem Vollblutanteil von 25% und darüber spricht man aber von einem Anglo-Kabardiner. Häufig unterscheiden sich Kabardiner und Anglo-Kabardiner nicht sehr stark, erst wenn der Vollblutanteil deutlich über 25% steigt, setzt sich dann das Vollblutpferd deutlich stärker durch und wird "sichtbar", sowohl im Exterieur, als auch im Interieur. Anglo-Kabardiner mit einem Vollblutanteil von 50% und höher werden vor allem für die Rennbahn gezüchtet, da sie die Geschwindigkeit der Vollblüter mit der Kondition der Kabardiner ideal vereinen. Auch im Distanzsport sind sie sehr gefragt, wobei die Erfahrung noch zeigen muss, ob sie dort den "reinen" Kabardinern mit weniger Vollblutanteil überlegen sind.

Kabardiner Polukrovni

Polukrovni ist der russiche Begriff für Halbblut. Unter dieser Rassebezeichnung laufen also alle Kabardiner die über eindeutige Fremdblutanteile z.B. Araber, Achal-Tekkiner oder Traber verfügen. Auch die Anglo-Kabardiner finden sich in älteren Stutbüchern teils noch unter diesem Begriff und sind dort noch keine eigene Sektion.

Karabaier, Karabaghen, etc.
Dies sind ganz einfach andere Pferderassen, mehr Infos dazu finden sich unter www.karabagh.de

Karabiner
Karabiner sind eine sehr praktische Erfindung, um Dinge miteinander zu Verbinden, aber KEINE Pferderasse (auch wenn dies ab und an auf Veranstaltungen mit Kabardinern behauptet wird ;-) )

Übersicht und Zusammenfassung

Name

Beschreibung

Kabardiner

der Name unter dem die Pferde gnerell bekannt sind

Karachaier

Pferde aus der Region um das Gestüt Karachai, Rassebeschreibung identisch. Je nach Sichtpunkt entweder als Kabardiner-Karachaier oder als Karachaier bezeichnet.

Anglo-Kabardiner

Kabardiner mit einem Vollblutanteil über 25%, wobei häufig erst sichtbare Veränderungen deutlich über 25% augenscheinlich sind. Anglo-Kabardiner sind größer (siehe Rassedetails) und schneller und somit besser für die Rennbahn geeignet.

Kabardiner Polukrovni

Kabardiner Halbblut

Karabaier, Karabagh, etc.

siehe www.karabagh.de

Karabiner

keine Pferde :-)

Schlussbemerkung
Der Kabardiner wird auch ab und an als Vollblut bezeichnet, was aber so nicht korrekt ist. Vollblut ist eigentlich eine Rassebezeichnung und bedeutet für englische oder arabische Pferde. Die wörtliche Übersetzungen des englischen Begriffes Thoroughbred" bedeutet dann aber auch "intensiv durchgezüchtet", was nun beim Kabardiner zum Teil schon wieder passt, da er bereits sehr lange gezüchtet wird - allerdings eben nicht mit solchen Reinheitskriterien wie english oder arabisch Vollblut (beim Kabardiner wurden auch immer wieder zur Blutauffrischung exzellente Pferde anderer Rassen gezielt eingesetzt um die Rasse zu verbessern).

Heute versteht man unter Vollblutrasse häufig auch eine Art von Charakter und Typus. Unter diesem Gesichtspunkt kann man die Kabardiner durchaus als "hochblütig" im positiven Sinne bezeichnen.

Tobias Knoll