Die Gebirgskoenige und Distanzcracks aus dem Kaukasus!
2006: Kabardinerdistanz
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2002:
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more to come |
Freitag, 04.10.02, 22:30 Uhr, A9 Berlin-München: Ich kann es immer
noch nicht fassen - wir haben gerade das erste eigene Pferd gekauft! Ruhig steht
er in seinem Hänger und läßt sich in eine neue Zukunft ziehen.
Boris heißt er (noch) und ist ein Kabardiner.
Zum wiederholten Male ein Check bei einer Autobahntankstelle - erst das Pferd,
dann das Benzin - Seitentür auf, Pferd guckt interessiert, ist weder naßgeschwitzt
noch sonstwie aufgeregt, nur saufen will er partout nichts, verspeist jedoch
einen saftigen Apfel, nachdem der Heusack auch schon fast leer ist.
0:30 Uhr, nochmal eine Rast: Boris will keinen Apfel, sondern persönliche
Betreuung; er schleckt meine Hand ab und läßt sich kraulen. Offenbar
reichts ihm für heute. Wer kann es ihm verdenken?
2:00 Uhr: kurz vor der heimatlichen Ausfahrt große Reifenteile auf der
Fahrbahn und wir absolvieren einen kleinen Schlingerparcours. Der Hänger
(kleine Werbung: Böckmann) hält gottseidank eisern die Spur, das Pferd
gleicht kurz aus und steht wieder wie angewurzelt.
2:15 Uhr: endlich angekommen! Im Schein einer Straßenlaterne laden wir
Boris aus. Obwohl er Hängerfahren nicht gewöhnt ist, geht er ruhig
und vorsichtig rückwärts aus dem Hänger, schaut sich kurz um
und stapft neben uns in die Dunkelheit hinein zu seinem neuen Zuhause. Trotz
siebenstündiger Fahrt geht er sehr flott und gleichmäßig, ist
nicht verspannt oder ängstlich. Die Stallbesitzerin hat eine extra Koppel
hergerichtet, auf der er sich erst einmal eingewöhnen kann. Sofort steuert
er den Heuhaufen an und fängt genüßlich das Fressen an. Danach
macht er sich unter allgemeinem Schnuffeln und Quietschen mit seinen neuen Kollegen
bekannt.
Offenbar sind wir nicht ganz so hart im Nehmen. Noch zwei Tage später fühle
ich mich wie durch den Fleischwolf gedreht: glücklich, aber fix und fertig.
Zum letzten Mal hatte ich so eine Gefühl nach der letzten Staatsexamens-Prüfung.
Nun aber mal von Anfang an:
Als ehemalige Mitglieder eines Reitvereins hatten mein Mann Johannes und ich
zwei Jahre lang das Vergnügen, einen Kabardiner zu reiten und schätzen
zu lernen. Damals hat allerdings kein Mensch gewußt, daß es sich
um einen Vertreter dieser Rasse handelt. Es hieß nur, er sei ein Russe
und halb Araber. Er wurde Johannes' Lieblingspferd, hübsch, temperamentvoll,
jedoch anfänglich sehr schwierig, selbstbewußt, loyal, gesund, bestimmten
Menschen zugetan, anderen nicht. Ich Dummkopf habe mich nie getraut, ihn zu
reiten. Nach unserem Austritt aus dem Verein und dem schmerzlichen Abschied
von diesem Traumpferd habe ich irgendwann angefangen, mit Hilfe des Internets
mehr über diese Art von Pferden herauszufinden. Es hat nicht lange gedauert
und ich stieß auf die Kabardinerseite von Tobias. Anhand der dort zu sehenden
Fotos und der vorzüglichen Liste von Brandzeichen wurde klar: Das ist ein
Anglo-Kabardiner gewesen! Seitdem hat uns das Kabardiner-Fieber gepackt, kräftig
geschürt einmal von den wundervollen Erinnerungen, und natürlich von
der unerschöpflichen Fülle der Knollschen Homepage, deren regelmäßige
Lektüre Pflicht wurde.
Das letzte Jahr verbrachten wir mit einem kurzen Aufenthalt in einem Reitstall
mit Unterricht, wobei ich wiederum den begründeten Verdacht habe, dass
ich hier mindestens ein oder zwei Kabardiner geritten bin, ohne es zu wissen.
Dem Charakter der Tiere bekam freilich der Reitbetrieb mit vielen wechselnden
Reitern nicht so gut, Johannes und ich kamen beide mit ihnen überhaupt
nicht zurecht. Sie waren zwar exzellent ausgebildet (vom Unterricht werde ich
mein ganzes Leben profitieren), aber im Umgang aggressiv (Beißen, Treten)
und unter dem Sattel haben sie einen auf gut Deutsch gesagt nach Strich und
Faden vera...
So haben wir uns also wieder in unsere frühere Reitgegend bei Aying südöstlich
von München begeben und uns zunächst eine Reitbeteiligung auf einem
braven, tapferen, aber trägen Hannoveraner geteilt. Im Sommer 2002 reifte
dann allmählich der Beschluss, doch ein eigenes Pferd zu kaufen, wobei
sonnenklar war, dass nur ein Kabardiner ins Haus kommt. Aber woher einen
kriegen??
Die Ausstellung "Pferde der Welt" gab uns dann vollends den Rest.
Die vielen Gespräche mit Kabardinerbesitzern und mit Karin (Tobias sah
ich vielleicht 30 Sekunden) bestätigten nur, was wir sowieso schon
wussten.
Nur der Weg, zu einem akzeptablen Preis einen guten Kabardiner zu finden, erschien
mindestens so steinig wie eine Elbrus-Besteigung. Es fügte sich, dass
wir auf der Messe auch Herrn Erxleben aus Berlin kennen lernten. Er erzählte
uns, er hätte gerade drei Kabardiner zu verkaufen und lud uns ein, ihn
mal zu besuchen. Zum Pferdekaufen extra nach Berlin zu fahren, erschien uns
freilich etwas dekadent.
Im Sommer gelang es uns tatsächlich, immerhin zwei Verkaufspferde in erreichbarer
Nähe in Bayern aufzutreiben. Einer war jedoch doppelt so alt als inseriert
(Augen auf beim Pferdekauf!) und beim anderen (Kandidat Karakes) haben wir zu
lange gezögert, dann war er weg. Aus sportlichem Ehrgeiz weigerten wir
uns immer noch, uns in die Schlange der Interessenten bei Sportpferde Seitle
einzureihen, um einen Kabardiner zu ergattern. Kann ja jeder!
Weich gekocht rief ich bei Herrn Erxleben an. Die Pferde waren immer noch zu
verkaufen. Beiläufig erfuhr ich vom Kabardinertreffen, das er in Kürze
dort veranstalten werde. Zu diesem Termin hatten wir aber leider keine Zeit.
Deshalb arrangierten wir eine Woche vorher einen Besuch. Wer weiß, vielleicht
kauft ein feierfreudiger Kabardinerfreund...
Gesagt, getan. Wir luden noch Heike ins Auto, unsere treue Beraterin in allen
Pferdefragen und fuhren gespannt gen Brandenburg. Wir waren dort noch nie und
wollten bei dieser Gelegenheit neben dem Pferden auch die Landschaft näher
kennen lernen, nachdem uns Herr Erxleben schon auf einen Wanderritt eingeladen
hat. Und das hat sich auch gelohnt! An dieser Stelle ein großes Dankeschön
an Herrn Erxleben für die herzliche Gastfreundschaft!
Am Freitag, 04.10., satteln wir also die zwei reitbaren Verkaufspferde und machen
uns in Begleitung von Herrn Erxleben auf den Weg. Johannes wählt den Boris. Beim Aufgalopp haben wir rechtschaffen
zu kämpfen: fremde Pferde, fremder Reiter, lange nicht geritten worden,
wenig dressurliche Ausbildung. Kriminell aussehende Volte mit Boris, um ihn
abzubremsen. Aus Sicherheitsgründen ordnet Erxleben einen Pferdetausch
an: Er übernimmt Boris, Johannes bekommt das Chefpferd Zeus, ein Brandenburger-Kabardiner.
Nur sehr langsam werden die Pferde ruhiger. Die Landschaft ist faszinierend.
Sandboden, weite, unberührte Felder, Wald, Seen. Nach dreistündigem
Ausritt steht der Kandidat unserer Wahl fest: Trotz allem, Boris. Es gibt noch
einen umzäunten Reitplatz, auf dem das arme Pferd eine weitere Stunde ausführlich
von allen Beteiligten geritten, begutachtet, geprüft wird. Uns überzeugen
seine Ausstrahlung und Feinfühligkeit. Einen Haken hat das ganze natürlich:
Wir werden ausdrücklich darüber informiert, dass Boris extrem
schwer einzufangen ist. Sämtliche Pferdeflüsterer-Methodiken von Monty
Roberts bis Pat Parelli seien schon angewandt worden und hätten kläglich
versagt. Gefällt mir. Pferd hat Charakter. Wir werden das Problem sicher
mit viel Geduld in den Griff bekommen - glauben wir.
Nachdem es eigentlich nichts mehr zu überlegen gibt, werden wir uns schnell
handelseinig und kaufen auch gleich den Sattel dazu, er passt nämlich.
Auf dem Fuße folgt die tierärztliche Ankaufsuntersuchung (ohne Befund,
nur die Hufe - er war immer Barfußläufer- sind reif für eine
Sanierung) und gleichzeitig per Handy die Organisation der Unterbringung zuhause.
Die Stallbesitzerin war vorgewarnt, wir jagen ihr trotzdem einen tüchtigen
Schreck ein mit der Ankündigung, wir würden in einigen Stunden unser
neues Pferd vorbeibringen. Sie fing nach dem Telefonat sofort das Rotieren an.
Großzügigerweise leiht uns Herr Erxleben seinen Hänger, damit
wir Boris gleich mitnehmen können. Ebenso großzügig erklärte
sich später Tobias dann bereit, ihn am nächsten Wochenende wieder
zum Kabardinertreffen nach Berlin zurückzubringen - vielen Dank noch mal!
Beim Verladen wollte Herr Erxleben noch dabei sein, damit nichts passiert. Zögerlich,
doch ohne Aufhebens geht Boris in den Hänger, und los geht's nach Hause!
Sonntag, 06.10.02: Der Name
Boris gefiel uns nicht. Wir haben ihn nach langen Überlegungen und eingehender
Lektüre der Knollschen Homepage umgetauft in "Adygesch". Das
ist kaukasisch und heißt "der Edle". Die Völkergruppe,
die diese Pferde züchtet, nennt sich Adyge.
Bereits heute durfte Adygesch zu den anderen Pferden in die Herde. Es gab kaum
Rangeleien, die Sache wurde eher auf diplomatischer Ebene gelöst. Es dauerte
nicht lange, da hatte er seinem Kollegen die Freundin ausgespannt. Sie hat ihn
schon die ganze Zeit angehimmelt. Er hält sie sich als Bodyguard. Sie kommt
ihm jedes Mal zu Hilfe und stellt sich schützend vor ihn, wenn er von den
ranghöheren Pferden bedroht wird.
Adygesch ist ein Pferd, das nicht freudig auf andere Lebewesen zugeht, er flieht
aber auch nicht. Er baut vielmehr eine interessante Spannung auf und testet
sein Gegenüber. Das können wir heute so richtig erleben. Gestern ließ
er sich von mir auf der Koppel einwandfrei fangen und mitnehmen. Heute ist daran
nicht zu denken. Johannes sperrt einen Teil der Koppel ab und spielt Monty Roberts
mit ihm. Nach 30 Minuten läßt er sich nehmen. Psychoterror.
07.-09.10.02:
Laufend probieren wir verschiedene Fangtechniken aus. Sinnlos. Wir erkennen ziemlich bald, daß er nicht etwa ein armes, verschüchtertes, am Ende gar traumatisiertes Pferdchen ist, sondern ein ganz gerissener Schlawiner, der gnadenlos alle Register ziehen kann, um sich an seinen Menschen zu amüsieren und sie zu testen, ob sie seiner würdig sind. Kleine Kostprobe:
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Wir kommen auf die Koppel, um ihn zu fangen. Wir werden schon von weitem registriert, er tut aber so als sei nichts und frisst weiter, es ist aber immer ein Ohr scharf auf uns gerichtet. |
Schließlich gelingt es uns,
ihn und ein paar andere Pferde in Richtung Paddock zu treiben (wo es abends
auch Futter gibt, also ein als angenehm empfundener Ort). Mehrmals versucht
er Tricks: rechts antäuschen, blitzschneller Haken nach links, Galopp,
wieder zurück, wir treiben weiter, Hang runter zum Paddock. Diesen Bereich
sperren wir ab. Er läßt sich aber immer noch nicht fangen. Erbarmungslos
treiben wir ihn im Kreis, rechtsrum, linksrum, nur keine Pause. Da hier zu viele
Pferde versammelt sind, fangen wir einen nach dem anderen und lassen sie einzeln
an der Absperrung vorbei wieder auf die Koppel. Adygesch nutzt den Bruchteil
einer Sekunde und entwischt über das durchhängende Absperrseil. Alles
nochmal. Pferd runtertreiben, absperren. Plötzlich testet er, ob er nicht
vielleicht unter dem Seil durchkommen könnte. Wir sind schneller. Pferd
wieder im Kreis herumtreiben. Nach 15 Minuten hißt er die weiße
Fahne und kommt her. Noch nie habe ich sowas erlebt. Er ist auch das erste Pferd,
das ansatzweise strategisch denkt. Das Fangen gleicht einem Schachspiel. Beide
Parteien denken ein paar Züge voraus. Erstaunlich ist dabei auch, daß
uns Adygesch nicht beleidigt ist, was bei Kabardinern sehr oft der Fall sein
kann, wenn man Druck auf sie ausübt.
09.10.02: Adygesch hat sich
erfolgreich vor dem Hufschmied gedrückt. Die Stallbesitzerin und der Schmied
haben 45 Minuten lang vergeblich versucht, ihn zu fangen.
Als ich dies im Nachbarstall erzähle, bekomme ich zweifelhaften Trost gespendet.
Dort verbringt ein anderer Kabardiner seinen Lebensabend. "Jaja, der hat
sich früher auch nie fangen lassen, die Besitzerin ist schier verzweifelt!"
Mit Kennerblick wurde auch gleich festgestellt, Adygesch sei "kein Kind
von Traurigkeit".
17.10.02: Diesmal entkommt Adygesch seinem Schicksal nicht. Der Schmied macht eine Totalsanierung der Hufe, jetzt sehen sie aus wie im Lehrbuch, und er bekommt zum ersten Mal in seinem Leben Hufeisen, was er tapfer und brav über sich ergehen läßt.
18.10.02: Die Entscheidung für Hufeisen war richtig. Er hat keinerlei Probleme mit dem neuen Gehgefühl, bewegt sich sicherer und ruhiger.
19.10.02: Beim Auftrensen
nützt unser kleiner Schlaumeier die kurze Gelegenheit, um auszubüxen.
Er trottet gemächlich davon, gerade so, daß er nicht gefangen werden
kann, läuft auf die Zufahrtsstraße und entledigt sich dabei des Sattels.
Dann ist er weg. Alarmstufe Rot im ganzen Dorf. Horrorszenarien im Kopf: Dunkles
Pferd ohne Halfter und gerade noch nicht versichert in der Nacht in Richtung
Brandenburg oder Kaukasus unterwegs, läßt sich sowieso nicht fangen.
Lasso? Blasrohr? Jäger? Autounfall?
Kurze Zeit später Entwarnung: Adygesch scheint einmal gemütlich um
den Block gelaufen zu sein und kehrte dann wieder zum Stall zurück; die
Stallbesitzerin konnte ihn vor dem Eingang dingfest machen. Der Sattel blieb
auch intakt. Aus pädagogischen Gründen gleich wieder satteln, auftrensen
und eine Runde reiten. In Zukunft wird nur mehr mit Parkkralle gearbeitet.
20.10.02: Erste Geländeritte zeigen die allseits geschätzten Eigenschaften eines Kabardiners: Flotter, gleichmäßiger Gang, gute Nerven, schon gutes Orientierungsvermögen. Andererseits hat er sich in seiner Vergangenheit auch einiges angewöhnt, was durchaus verbesserungswürdig ist: Wenn er den Reiter noch nicht kennt und akzeptiert (derzeit ist das nur Johannes), dann neigt er schon zum Schnellerwerden bis zum Fast-Durchgehen im Galopp. Er neigt zum Hirschhals bei durchgedrücktem Rücken und entzieht sich jeder sinnvollen Zügeleinwirkung, dann wird davongebraust und er ist schwer wieder abzubremsen.
21.10.02: Die Fangtechnik
ist inzwischen vorläufig optimiert. Pferd ohne Federlesens mit Longierpeitsche
Richtung Paddock treiben (die anderen gehen inzwischen nicht mal mehr mit),
verschiedene Finten bei Bedarf im Keim ersticken, Pferd trabt in die gewünschte
Richtung nach dem Motto "ja, ja ich geh ja schon runter". Wenn er
im Paddock angelangt ist, läßt er sich immer nehmen.
Liebe geneigte Leser/innen, die ihr vielleicht selber so renitente Pferde habt:
Das wichtigste bei solchen Aktionen ist, daß das Pferd nie, wirklich niemals
mit solchen Kaspereien durchkommen darf. Auch wenn es notfalls zwei Stunden
dauert: am Schluß muß das Pferd eingefangen sein. Eiserne Konsequenz
ist das einzige Mittel, leider.
Hervorragender Ausritt. Johannes kann ihn bei Bedarf auch am langen Zügel
reiten in jeder Gangart. Die Trittsicherheit ist phänomenal. Ein Wegabschnitt
wurde durch die Unwetter im Sommer bis zur Unpassierbarkeit beschädigt,
tiefe Canyons haben sich eingegraben, dazwischen nur ein Streifen, der so breit
ist wie 1 ½ Pferdehufe. Ein einziger Fehltritt würde mit Sicherheit
Verletzungen bringen. Aber es war klar, daß Adygesch mit gleichbleibender
Geschwindigkeit die Stelle ruhig und sicher meistert. Neben dem Hohlweg ist
ein Steilhang, in dem er sich mittendrin an der Längsseite hinstellt und
sich gelangweilt nach mir umschaut, wann ich denn endlich mit meinem Leih-Hannoveraner
angewackelt komme. Wie macht er das bloß?
Beim Absteigen vor dem heimatlichen Stall schon wieder ein Trick. Er meint wohl,
daß der Reiter die Zügel nicht mehr in der Hand hätte und will
sich wieder mal aus dem Staub machen. Reiter war aber schlauer. Beim Auf-und
Absteigen behält man nämlich die Zügel in der Hand, wurde uns
im Unterricht eingebläut.
22.10.02: Abends auf dem Reitplatz
geübt. Geht sehr brav. Vorwärts- Abwärts-Training angefangen,
klappt fürs erste gut. Adygesch ist sehr feinfühlig, reagiert ausgezeichnet
auf Gewichtshilfen und versteht sehr schnell, was man von ihm möchte, wobei
wir darauf achten, daß er nicht zuviel auf einmal serviert bekommt. Ohne
daß wir es darauf angelegt hätten, zeigt er sogar Schenkelweichen.
Unser Ziel ist, daß er zumindest das "kleine Einmaleins" mitbekommt,
um Tragemuskulatur aufzubauen und gut gymnastiziert zu sein. Ferner soll er
lernen, einfache reiterliche Hilfen in jeder Situation zu akzeptieren - ohne
Kampf. Daß sowas geht, wissen wir aus dem Umgang mit anderen Pferden.
Und wir haben ja ein ganz besonders schlaues.
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26.-27.10.02: Zwei traumhafte längere Ausritte bei orkanartigem Südwind. Adygesch läßt sich weder von Windböen noch von herumfliegenden Gegenständen oder heulenden Stromleitungen aus der Ruhe bringen. Er läuft gleichmäßig, meist ohne Drängeln. Frauchen rauft sich jetzt langsam auch mit ihm zusammen. Seine Spezialität sind Trabs in atemberaubender Geschwindigkeit über schwierigste Böden. Ob Wurzeln, Sumpf oder an Steilhängen entlang, es geht in gleichbleibender Geschwindigkeit dahin, der Reiter sitzt sicher wie in Abrahams Schoß.
... Fortsetzung folgt!
Irmgard und Johannes Babion
Riemerling bei München
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