Harun

Besitzer: Oliver Obst

Harun war 2007 bestes Pferd bei der DM der Steppenreiter

Oliver Obst über seinen achtjährigen Kabardiner Harun, Steppenpferd des Jahres 2006

„Dass Harun Steppenpferd des Jahres 2006 wurde, das heisst dasjenige Pferd, das auf den 2006 durchgeführten Wettkämpfen der Steppenreiter die meisten Punkte mit seinen jeweiligen Reitern geholt hat, macht mich natürlich schon stolz. Was mir amir immer wieder besonders auffällt im Vergleich zu anderen mir bekannten Rassen ist seine absolute Hingabe an seinen Halter: Kaum komme ich mit dem Halfter, legt er seine Stall-Manieren ab und ist zu allem bereit, stets willig und sehr angenehm im Handling. Mir persönlich hat es sehr weitergeholfen, dass er mir durch seine hingebungsvolle Art das

Vertrauen zum Pferd wieder ermoeglicht hat. Besonders bemerkenswert ist dass das Vertrauen beidseitig ausgeprägt ist, obwohl Harun ziemlich zusammengestaucht und heruntergekommen aus Russland kam, wo er siher nicht nur gute Erfahrungen gemacht hat. Bei aller Zuneigung ist er aber kein ausgepraegtes Schmusetier, sondern im Verhältnis zu anderen durchaus eher wild und eigenständig.

Als Bogenreitpferd qualifiziert ihn besonders seine Lauffreude und sein genereller Spass an der Arbeit. Dabei ist er begierig, dem Reiter zu gehorchen und gefallen, sehr sensibel und reagiert auf feinste Kommandos. Auf der Wettkampfbahn wiederum verzeiht er jeden Sitzfehler und macht konsequent seinen Job.“

 

Erster Deutscher Meister der berittenen Bogenschützen ermittelt

Dauchingen, 2. September 2006
 

Am ersten Septemberwochenende fand in Dauchingen bei Villingen-Schwennigen die erste Deutsche Meisterschaft im berittenen Bogenschießen statt. Veranstaltet wurde diese Meisterschaft vom Verein Die Steppenreiter, Bund berittener Bogenschützen. 2006 wurden drei Turniere veranstaltet, bei denen Wertungsläufe für die DM durchgeführt wurden, beim Finale in Dauchingen wurde nun der Deutsche Meister ermittelt.

Was vor über 20 Jahren in Ungarn als längst vergessene Kampf- und Reitkunst zu Pferde wieder zum Leben erweckt wurde, ist heute nicht zuletzt aufgrund der archaischen Faszination eine Sportart für Individualisten. Auf einem schnellen Pferd die 90-Meter-Bahn im Galopp zu reiten, um dabei drei oder mehr Pfeile auf drei Zielscheiben in der Mitte der Bahn zu platzieren ist eine Aufgabe, die neben sicherem Reiten auf einem gut ausgebildeten Pferd intuitives und schnelles Schießen mit dem Bogen erfordert. Der 2006 gegründete und bundesweit tätige Verein “Die Steppenreiter, Bund berittener Bogenschützen” hat es sich zum Ziel gemacht, den über ganz Deutschland verstreut lebenden und trainierenden Reitern und Bogenschützen die Möglichkeit des Austauschs über regionale Grenzen hinweg zu geben. Neben Pferden der verschiedensten Rassen vom Warmblüter, Spanier, Vollblüter und Quarter Horse sind auch Kabardiner in den Ranglisten zu finden.

Erster Deutscher Meister im berittenen Bogenschießen wurde der Tierarzt Claus Meyer (Neuss am Rhein auf dem Kabardiner Harun (Besitzer: Olver Obst, Münster). In der Klasse der Unter-16-Jährigen setzte sich Daniel Kretzschmann durch, dessen ebenfalls auf einem Kabardiner startender Vater Rolf zu Deutschlands Top-Schützen zählt. Das Finale der DM wurde gebührend gefeiert: Mehrere Jurten, eine Bühne und schließlich das Kernstück des Wettkampfes, die 90-Meter-Bogenbahn, brachten gemeinsam mit der bunt gemischten Truppe der Steppenreiter und rund 200 Zuschauern richtiges Steppenfeeling in den Schwarzwald. Der Turniersamstag wurde von einem Bogenturnier zu Fuß eröffnet, bevor es dann am Nachmittag auf die Galoppbahn ging.

Hier hatten die Teilnehmer neun Galopps zu absolvieren, bei denen sowohl Treffer als auch benötigte Zeit gewertet wurden. Soviel Pfeile wie möglich auf die drei Scheiben in der Mitte der Bahn abzufeuern galt es und natürlich musste auch getroffen werden. Die Teilnehmer, die vom normalen Reitdress bis zum mittelalterlich-ungarischem Gewand ein sehr unterschiedliches Aussehen an den Tag legten, zeigten eine ebenso unterschiedliche Herangehensweise an die Aufgabenstellung. Während manche schnell und zügig und dabei treffsicher nur wenige Pfeile schießend ritten, bevorzugten andere die Strategie, die erlaubte Zeit von 16 Sekunden maximal auszunutzen und ritten eher langsam, um soviele Pfeile wie möglich ins Ziel zu bringen. Am Ende siegte die Routine – der engagierte Tierarzt Claus Meyer, Gründungsmitlgied der Steppenreiter, setzte sich wie bereits in den vorangegangenen Wertungsläufen deutlich vom Feld ab und holte sich den ersten Titel als Deutscher Meister. Auf die Frage, ob er viel mit dem Pferd trainiert, antwortete er „Es kommt hauptsächlich auf die Routine vom Boden aus an. Beherrscht man die elementaren Bewegungsabläufe, schafft es, schnell und sicher einen Pfeil nach dem anderen zu nocken, dann ist es auf dem Pferd gar nicht mehr so schwer.“ Der 13-jährige Daniel Kretzschmann (Pforzheim) durfte sich über den Meistertitel der Unter-16-Jährigen freuen. Die Leistungen des jungen Schützen, der auf seinem Isländer den Wettkampf bestritt, konnte sich auch im Vergleich zu den Senioren sehen lassen. „Der Nachwuchs von morgen steht schon in den Startlöchern“, meinte Niels Lüders, Vorstandsmitglied der Steppenreiter, zufrieden bei der Siegerehrung. „Und wenn die Jugend so weitermacht, werden wir uns warm anziehen müssen.“

Nach der Siegerehrung ging es zum unterhaltsamen Teil über – in einem selbstinszenierten Theaterstück wurde inmitten des Tales auf der Bühne Geschichte lebendig und die alten Magyaren, die in Europa einfielen, zum Mittelpunkt des liebevoll aufgeführten Stückes. Danach erhellten Flammen die Nacht, mit Live-Musik und bei einer tollen Feuershow im Stil mittelalterlicher Gaukler klang der offizielle Teil der Ersten Deutschen Mesterschaft im berittenen Bogenschießen aus. Bis spät in die Nacht saßen viele Gäste und Teilnehmer dann zusammen am großen Feuer vor der Bühne und waren sich einig: Dauchingen 2007 – wir sind wieder dabei!

Michael Woisetschläger, Bund der Steppenreiter, www.die-steppenreiter.de