Nanuk

Meine Geschichte um Nanuk begann in einer Mittagspause, in der ich im Internet durch verschiedene Pferdeseiten stöberte, festen Willens, nachdem ich nun vor fast einem Jahr durch meine Freundin mit dem Reitvirus infiziert wurde, mir endlich den Traum vom ersten eigenen Pferd zu erfüllen.

Aber das war leichter gesagt, als getan. Für welche Rasse sollte ich mich entscheiden. Viele Stunden verbrachte ich mit allerlei Lektüren über die verschiedensten Pferderassen und deren Vor- und Nachteile. Zufälliger Weise stand die Messe Pferd international gerade an. Und ich dachte mir, dass das eine sehr gute Gelegenheit wäre, einmal die unterschiedlichsten Rassen auch mal in Natura und aus der Nähe beobachten zu können.

Wie sich herausstellen sollte, war das das Ende einer Lange Suche.

Ich kann mich noch ganz gut an meine erste Begegnung mit dieser Rasse auf der "Pferd International" erinnern. Dort wurde eine eindrucksvolle Vorführung gezeigt von 6 Reitern, alle auf Anglo-Kabardinern die als russische Kavalaristen kostümiert waren. Sie zeigten, was diese Pferde damals als Kavalarie-Pferde im Kampf für Nehmerqualitäten hatten. Und sie haben sie wohl auch noch heute.

Eine Übung bestand darin, 4 lichterloh brennende Barrieren zu überqueren.
Die Reiter mussten dabei einige dazwischen stehende Strohpuppen mit dem Säbel
eliminieren...! Und das im vollem Galopp... Die anderen Übungen waren nicht
weniger eindrucksvoll, und zeigten die Wendigkeit, Ausdauer und nicht
zuletzt das bedingungslose Vertrauen, was jedes einzelne Pferd seinem Reiter
bei diesen ja nicht ungefährlichen Übungen entgegen brachte.
Ich war nach der Vorführung noch in den Stallungen und habe mir die Pferde genauer angeschaut und war restlos begeistert.

Nun wusste ich endlich welche Rasse ich wollte... Aber woher bekommt man noch mehr Infos über diese Rasse, und vor allem wo kann man einen Anglo-Kabardiner kaufen?

Also zurück ins Internet und weiter recherchieren. Auf der Seite Russlands-Pfede.de und Kabardiner.de fand ich dann sehr ausführliche und umfassende Informationen über die Herkunft und die Geschichte des Anglo-Kabardiners. Als ich von einer bekannten auch noch den Tipp bekam, dass es in der Nähe von unserem Stall einen Händler gab, der sich auf diese Rasse spezialisiert hatte, gab es kein Halten mehr. Nach einem kurzem Telefonat mit dem Händler, der noch fünf Kabardiner in seinen Stallungen hatte war schnell ein Termin zur Besichtigung vereinbart.

Beim Händler angekommen gab es dann ein böses Erwachen. Denn von den vor vier Tagen genannten fünf Kabardiner waren vier schon verkauft, und der Letzte gehörte Ihm selbst. Den er, wie er sagte nur ungern verkaufen würde. Er ließ ihn dennoch satteln und wir konnten ihn ausprobieren. Er war einfach perfekt, regierte auf alle Hilfen, war brav und super zu Händeln. Und zu alle dem konnte er auch noch Pass gehen. Aber was sollte all die Freude, wenn er Ihn nicht verkaufen wollte. Nach zähen Verhandlungen, durch meine Bekannte, die schon öfters gute Kundschaft brachte, ließ er sich schließlich breitschlagen und willigte ein. Ich bat mir, obwohl der Kauf schon getätigt war noch 10 Minuten Bedenkzeit aus und ging zu Nanuk in die Box und setzte mich neben Ihn ins Stroh.

Da stand er nun vor mir und blickte mich erwartungsvoll an. Kam dann zu mir rüber und beschnupperte mich von Oben bis Unten und legte mir dann nach ausführlichen schmusen  sein Kinn auf die Schulter und blieb so eine Weile stehen. Sollte das etwa heissen: Nimm mich mit..? Als ich so vor Ihm saß vielen mir drei weiße Flecken unten am Bauch im Fell auf, die wie ich später vom Händler erfuhr von den Bauchgurten der im Kaukasus gebräuchlichen Gebirgssättel stammten. Dort ist man im Umgang mit Pferden weniger zimperlich als in unseren Breitengraden, wo alles und jedes Teil an Sattel und Zaumzeug gepolstert ist.

Zu guter Letzt erfuhr ich auch noch, die nicht ganz unwichtigen Details, wie sein Alter von sechs Jahren und das Nanuk aus einem Gestüt bei Stavropol stammte und bis zu seiner Reise nach Deutschland als Hüte-Pferd auf den weiten Koppeln in den Hügelgebieten rund um Stavropol tätig war.

Drei Tage später stand Nanuk dann bei uns im Stall , und wurde neugierig von allen Beäugt.

Er hat sofort gute Kumpels und eine Freundin gefunden. Die Stute meiner Freundin hat es Ihm besonders angetan. Sein bester Freund ist ebenfalls ein Russe, (Anglo-Tersker Sunny). 

Nanuk ist ein absolutes Verlasspferd im Gelände..! Als mir die Anderen Pferdebesitzer im Stall ihre Anfangsprobleme beim ausreiten im Gelände erzählten.. von wegen Kleber, Schreckhaft, auf halben Wege auf der Hinterhand umkehren und im vollem Galopp zurück in den Stall... war mir vor meinem ersten Ausritt mit Nanuk schon etwas mulmig zu  mute. Aber weit gefehlt. Weder vor knatternden Mofas, mit Folie abgedeckte Holzstöße, oder sogar ein Rudel Wildschweine das unseren Weg während einer Galoppeinlage kreuzte, quittierte er nur mit kurzem wiehern... nach dem Motto ..Weg da jetzt kommen wir... :o).
 
Was er noch lernen musste, war das Arbeiten in der Halle. Das kannte er bis Dato nicht...! Mittlerweile ist das aber jetzt aber auch kein Problem mehr.  

Nanuk ist ein echtes Traumpferd ohne Macken. Wir haben rund um unseren Stall sehr schöne langgezogene Trab und Galoppstrecken. Er hat eine enorme Kondition und Ausdauer, ist sehr ehrgeizig und will es einem immer Recht machen, was ihn sicherlich für den Einen oder Anderen Distanzritt qualifizieren würde. Er klettert auch für sein Leben gern, das sollte  bei seiner Abstammung als eine der besten Gebirgspferderassen ja auch nicht verwundern. Behände wie eine Steinbock meistert er selbst schwierige Stellen. Wo Andere absteigen und ihr Pferd lieber führen geht Nanuk ruhig und Trittsicher seinen Weg.

                                                                                                                                 Oliver Ott

Steckbrief:

  • Nanuk, geb. 15.06.1998

  • Anglo-Kabardiner-Wallach

  • Rappe

  • 1,65 m groß

  • Absolut gangfreudig, sehr ausdauernd, geländesicher, ausgeglichener Charakter